Dienstag, 12. Juli 2016

highline179

"Schatz, was möchtest du an deinem Geburtstag machen?"

Bitte sag nicht grillen. Bitte sag nicht grillen.
Die Vorstellung, bei meiner momentanen Belastbarkeit einen a) ganzen Tag b) mit einem Gästepulk um mich herum zu überstehen behagt mir gar nicht. Außer er möchte das unbedingt, dann muss ich gucken, wie ich das gebacken kriege.
So richtig feiern tun wir wegen mir ja schon lange nicht mehr. Fühl mich irgendwie schuldig.

"Äh, öh... Ich überleg mir was."

Zwei Wochen später: Er hat im Internet eine Hängebrücke in Österreich entdeckt, die er gerne begehen würde. Hört sich weit weg an, aber wir wohnen im Süden Deutschlands und über die Grenze ist es fast nur ein Katzensprung.

Die Anfahrt hab´ ich komplett verpennt. Weiß nicht, ob´s an mir lag oder den Medis, die müde machen, aber irgendwann knuffte er mich in die Seite und rief: "Schatz, wir sind da, guck mal."

Oi...


Da hoch?



Wirklich?


Leider wollte mein angeschlagener Körper mal wieder nicht so recht. Buckelaufwärts und das bei der Hitze. Unterwegs werde ich ständig überholt, einschließlich von Familien mit kleinen Kindern und von Senioren mit Walkingstöcken, wie demütigend. Ja sorry, kann da auch nix für. Aber da, endlich, das Ende des Weges naht.

Und so sieht es von oben aus. Das Teil wackelt dazu noch im Wind wie ein Kuhschwanz. Nachdem meine Nerven den ersten Schock überwunden haben find ich´s aber auch toll. Trau mich sogar zu hüpfen und es zusätzlich zum Wackeln zu bringen. "Nicht hüpfen!"- Entschuldigung. Irgendwie dürstet mir heut nach Adrenalin. Bin immer noch im resignativen "mir ist fast alles egal und ich fühl nix mehr"-Modus und und hab' nur versucht, mich wieder zu spüren. 

I beliiieve I can flyyy...  
Die Burg musste das Geburtstagskind danach leider alleine angucken (war einfach zu müde), aber ich danke dem "Universum" mal etwas Ablenkung gehabt zu haben von den ganzen anderen Mist, der mich gerade verfolgt. Ihr versteht? Ich hab´ den Post dazu wieder vom Netz genommen, aber ich danke euch sehr für eure Worte dazu.

Habt ´ne schöne Woche. Alltagsmist hin oder her...

Sonntag, 10. Juli 2016

Ich wär' jetzt gern 'ne Schwalbe

Das doofe Gedankenkarussel will nicht anhalten. Irgendwie raucht mir der Schädel. Erste Hilfe. Wie war das noch gleich. Aufmerksamkeit. Achtsamkeit. Ich guck in den Himmel. Fühl nix. Na los, streng dich an. Irgendwo um dich herum muss doch etwas Schönes zu entdecken sein. Na ja, dieses Blau ist gerade eigentlich ganz angenehm. Sehr licht, nicht zu hell. Die Sonne ist schon fast weg.

Was ist noch positiv... Na ja, es ist Sommer. Sommer ist schön. Sagt man zumindest. Ich mag das grelle Licht nicht und die Hitze find ich scheiße. Wenn alles klebt und man nachts nichts mehr schlafen kann und dieses ständige Kopfweh. Aber die Natur, die Natur überschlägt sich dann und gibt alles.

Da ziehen Vögel, was das wohl für welche sind. Sind so schwarz-weiße dabei, die ganz malerisch dahingleiten. Vielleicht Schwalben.

Während ich so dasitze und den (vermutlichen) Schwalben zusehe, erwacht der Wunsch, aufzustehen, den maroden Körper abzustreifen und selbst aufzusteigen. Welche Erleichterung. Mitfliegen, mit den Schwalben. Weg mit dem alten Leben, nicht zurück blicken, auf in neue Gefilde, neue Abenteuer. Ganz bei sich sein. Frei sein.

Wunsch ans Universum: Im nächsten Leben wäre ich gerne eine Schwalbe. Oder jetzt gleich. Herzlichen Dank.

Obwohl.. Wie ist das mit Raubvögeln, mit Katzen, mit Umweltgiften.. Und Vögel haben auch ihre Reviere. Nein, jetzt nicht schwächeln. Nicht zerpflücken. Das Leben als Vogel muss schön sein, Punkt. Irgendwas auf diesem kack Planeten muss doch auch mal wirklich schön sein (und nicht nur so aussehen). Da ist wieder eine. Schön, diese Kurve, dieser Schwung. Als ob etwas in die Luft gemalt werden würde, und nur wer dem Malvorgang beiwohnt, kann das Werk "sehen".
Es ist so still. Eigentlich ganz wunderbar.

"Ha ha haaa", tönt es nebenan. Irgendwas klirrt. Wieder lachen.
Die Nachbarn feiern. Irgendwie haben die ein komisches Händchen für Gäste. Sind selbst immer total nett und hilfsbereit, aber laden immer die seltsamsten Deppen ein. Wieder ein lautes Lachen. Beschissene Musik wird aufgedreht, dröhnender Lärm zerreißt die Stille. Ihr geht mir auf den Sack.

Bestellung ans Universum: Im nächsten Leben will ich ´ne Schwalbe sein. Oder jetzt gleich.

Und dann kack ich denen ordentlich auf´n Kopp. Aber sowas von.