Dienstag, 15. November 2016

Offene Worte

So, nun muss es einfach mal raus. Weil das Thema in nächster Zeit vermutlich sehr viel öfter bei mir auftauchen wird, ich bislang aber vermieden habe, es konkret zu benennen. Ich habe "Borderline", eine komplexe Traumafolgestoerung, und ich möchte zwecks Reflexion und Bewältigung mehr darüber schreiben. Irgendwann, so hoffe ich, habe ich den ganzen Mist so weit in den Griff bekommen, dass ich ein einigermaßen "normales" Leben führen kann.

Wer mich nun aus dem Blogroll nehmen möchte, dem bin ich nicht böse, denn mit der Diagnose geht auch ein gewisses Stigma einher (auch wenn ich mich mit vielen Vorurteilen diesbezüglich nicht identifizieren kann). Schätze, damit möchte ich einfach nur mitteilen: Auch wenn meine Nerven permanent übererregt sind und ich mit so einigen Problemen zu kämpfen habe, die sich daraus ergeben: Ich glaube, auf meine Art bin ich ganz ok und muss mich nicht verstecken. Ich versuche, das Beste daraus zu machen.

Wer weiterhin mitlesen möchte, klicke bitte hier:

meet me halfway

In meinen neuen Blogroll nehme ich ungefragt nur Blogs auf, deren Autoren explizit erwähnt haben, auch Borderline zu haben. Gerne würde ich meine bisherige Leseliste dorthin transferieren, aber hierfür werde ich euch erst anschreiben und nachfragen, ob das ok für euch ist, mit diesem Blog verlinkt zu werden.

Nun weiß ich noch gar nicht, ob ich hier weiter bloggen werde, der "Zweitblog" wird jetzt erst mal die größere Rolle spielen... Ich muss es erst mal ausprobieren.

Von Herzen Danke für eure Besuche und Kommentare und Verlinkungen, ohne die ich hier vermutlich schon längst wieder dicht gemacht hätte ♥♥

Und: Meine Verehrung für Juliane. Ein wenig Schreiberfahrung habe ich zwar schon (ehemalige freie Mitarbeiterin einer Tageszeitung, Veröffentlichung einer Kurzgeschichte beim Ravensburger Buchverlag, studierte Medien-BWLerin), aber so gut wie sie werde ich nicht werden, ihr Blog ist einmalig.
Wollte ich schon längst mal gesagt haben...

Bis bald, und: Danke!

Gefangen zwischen Schwarz und Weiß

"Frau Eremitin, ich frage Sie nochmal: Wie sollen wir hier weitermachen? Sie sind am Drücker."

Ich winde mich. Überlege. Es geht um meinen Aufenthalt in der Klinik. Ich habe geäußert, überfordert zu sein. Und nun kämpfe ich mit der Option zu gehen oder zu funktionieren und den Alltag hier zu bewältigen. Ersteres macht mich nicht glücklich, denn ohne "weitergehen" wird sich auch nichts ändern. Letzteres macht mich gerade echt fertig.

"Gnadenschuss? Und sie verscharren mich hinten im Klinikgarten? Dann wäre die Sache endlich erledigt."

"Frau Eremitin, das ist nicht witzig. Darüber werde ich nicht lachen. Nie."

Schweigen.

"Zum letzten Mal, wie sollen wir hier weiter machen? Ich werde Ihnen die Antwort nicht vorgeben. SIE entscheiden."

Stille.

"Was soll ich denn machen? Ich will weitermachen, aber ich packe den Tag nicht. Und jetzt?"

"Sie verführen mich schon wieder dazu, Ihnen die Antwort vorzugeben... Die Welt besteht nicht nur aus Schwarz oder Weiß. Es gibt auch Graustufen. Was wäre eine Graustufe?"

Oh Mann... Heute schafft er mich echt. "Walking the middle path", ich verstehe.
Ich bekomme einen Wochenstrukturplan und darf streichen, was davon ich nicht packe.
Für mich bislang undenkbar. Ich kenne nur "funktionieren" oder "nicht funktionieren".

"In der Arbeitswelt wird es den Arbeitgeber aber auch nicht interessieren, wie viel ich wirklich verkrafte. Der will meine volle Leistung."

"Sie sind jetzt aber hier und noch nicht auf der Arbeit."

"Aber... Das ist doch das langfristige Ziel?"

"Ja, aber um dahin zu kommen, sind Zwischenschritte notwendig."

Middle path. Da isser ja schon wieder.

"Aber ich habe schon oft wieder angefangen und es dann nicht gepackt. Mein Innerstes hat sich nicht geändert, egal wie sehr ich mich angestrengt habe."

"Sie stehen heute woanders als vor zwei Jahren. Dass das alles nichts bringt, diese Meinung teile ich mit Ihnen nicht."

Er notiert etwas. Habe ich gesagt, dass das alles nichts bringt? Das irritiert mich jetzt.
Natürlich hat es was gebracht, aber... Da gibt es noch sehr tiefsitzende Dinge. Und an denen zerre ich mir die Arme wund. Sieht er das nicht, oder liege ich falsch?
Oder ist das schon wieder schwarz-weiß gedacht?

"Solange Sie hier sind, müssen Sie mir versprechen, sich nichts anzutun. Deal?"

Ja...

Ich stehe im Gang und halte den Plan in der Hand.

Er steht hinter mir und sagt irgendwas. Was passiert hier gerade? Ringe ich mit einem Psychologen (und um was eigentlich)? Sieht ganz so aus.

Nein, kein Händeschütteln. Jetzt keine Berührungen, alles zu viel. Er geht, und ich greife zum Rotstift.

Hilfreich, wenn einem jemand mal vor Augen führt, wie man eigentlich tickt. Und anstrengend.

Unendlich anstrengend. Und manchmal... Gnadenlos.

Samstag, 12. November 2016

Kein Lavendelwölkchen

Freund und Kater kuscheln auf dem Sofa. Plötzlich steht der Kater auf, läuft eilig zu mir rüber und rollt sich auf meinen Beinen zusammen. Gleichzeitig fängt der Freund an zu husten, hält sich die Decke vor´s Gesicht und schimpft.
"Hat er etwa einen fahren lassen?"
"Und wie...", hustet er und fängt an mit der Decke zu wedeln.

Nicht verteilen... Das war nicht gerade ein Lavendelwölkchen. Lach.

Freitag, 11. November 2016

Treuebonus

Der Freund kommt nach Hause und steigt müde die Treppen hoch.
Ich begrüße ihn freudenstrahlend und mit überzogener "Mensch-zu-Hund"- Stimme:

"Jaaaa Schatzi, jaaa Schatzi, feiner Schatzi, braver Schatzi..."

Er grinst und schüttelt den Kopf.

"Du bist echt gaga."

"Ooooh neiiin... Muss ich jetzt in die Psüüüüchiatriiie??"

"Ja, warte, ich rufe dir ein grünes Wägelchen."

Vielleicht bekomme ich ja irgendwann ein "Dankeschön für meine Treue" und darf  'ne Woche im Privatpatientenzimmer wohnen. Man sollte ja immer Ziele im Leben haben.

Schon mal mit einer Schublade gehauen worden?

K. liest in der Zeitung und runzelt die Stirn.

"Hm?"

"Da hat's 'ne Schlägerei gegeben... Da wurde jemand mit einer Schublade niedergeschlagen."

"Oh... Mit 'ner Schublade??"

Unter dem Artikel hat irgendein Redakteur die Auflage, die Artikel reißerisch zu gestalten, etwas zu ernst genommen, und das lange, schmale Beispiel-Foto einer Schublade über die ganze Breite der Seite gezogen. Ärks...

Wurde an dem Tag zum running gag in der Gruppe.

"Statt Pfefferspray immer eine Schublade in der Handtasche haben"

"Ich muss dringend zum Bettenlager, Schubladen kaufen"

"Den würd' ich auch mal gern mit meiner Schublade hauen"

"Du musst mit der Ecke zuschlagen, dann geht das schon"

"Modell Massivholz"


Gibt gerade sonst nicht so viel zum lachen (ernste Themen und so), da kann so ein Stück Holz schon mal zur allgemeinen Erheiterung beitragen.

Donnerstag, 10. November 2016

Tja

Ich bin ein Mensch, der sehr viel Wut in sich trägt. Sehr heftige, oft zutiefst hassende Wut, die selbst bei kleinsten Anlässen heraus brechen will. Aber ich habe "gelernt", diese nicht zu zeigen, diese zu schlucken. Um irgendwie da draußen zu funktionieren.

Wie ich mittlerweile gelernt habe: Geschluckte Wut richtet sich gegen einen selbst. Das kann so krank machen, dass man gar nicht mehr funktionieren kann. Depressionen und so weiter, mein Stichwort.

Also soll ich nun wieder lernen, meine Wut nach draußen abzugeben, zurück an den Empfänger. "Dosiert". Nur rein oder nur raus ist auch nicht gut. Nennt sich "Schwarz-Weiß-Denken".

Tja, mein erster bewusster Versuch gestern: Mitpatientin C., die ich wegen respektlosen Verhaltens schon länger auf dem Kicker habe, kommt herein und wirft ihre Sachen auf den Tisch, direkt auf meine. Spätestens jetzt blinken bei mir dir roten Lämpchen. Ich hasse es, wenn ich oder meine Sachen unfreiwillig berührt werden, und schon gar nicht von der.

"Frau Eremitin, Sie sind eingeladen, ihre Bedürfnisse zu artikulieren. Sagen Sie, was Sie in der Gruppe brauchen."

"Es kotzt mich an, dass C. ihre Sachen auf meine geworfen hat." Und noch viel mehr Anderes, aber das sprengt jetzt den Rahmen.

Kurze Stille. C. reißt ihre Sachen weg, zerrupft ihren Notizzettel und fängt bitterlich und hochdramatisch an zu weinen. Bin ich im falschen Film, oder...?
Mitpatientin L. streichelt ihr den Arm.
P. meint: "Uff so ´ne Idee wär' ick gar nit gekommen, dass sowas Jemanden stören könnte."
Schwester: "Es ist alles richtig so. Sie sollen artikulieren, was Sie von der Gruppe brauchen."

Draußen geht das Theater noch weiter. C. geht mir erst aus dem Weg und will mich dann noch sprechen.
"Bin ich schon wieder das Problem?", heult sie. Schon wieder? Und dann: Schleusen auf. Und dann ersucht sie noch das Gespräch beim Profi.

Und so lieb ich auch sein kann: Meine böse Seite in mir kichert. War nur ein winzig kleiner Anlass, aber der hat gesessen. Gut. *Mr. Burns- Grinsen aufsetz*

Als ich am nächsten Morgen herein komme, zuckt sie zusammen. Die Mitpatienten reden ihr zu: "Alles gut." Die tut dir nichts. Meine Güte. Was macht die, wenn wirklich mal was Schlimmes in ihrem Leben passiert? Die wird ja umgeknickt wie ein Grashalm. Und ich dachte schon, ich bin sensibel.

Also irgendwie gefällt mir ja so langsam die Rolle der "Zubeißerin"... Aber dieses ganze Drama drum herum... Die Erklärungen, die Gespräche, die Gefühlsausbrüche.

Menschen sind so anstrengend.

Mittwoch, 9. November 2016

"everything is better with metal"...

... Las ich unlängst im Kommentar eines Nutzers. Recht hat er!


Verspult, Folge 8754

Der Freund hat auf dem Speicher ein altes Metall-Hochbett gefunden und daraus einen Arbeitsplatz für Zuhause gebastelt. Das untere Bett kam aus der Halterung und wurde durch den Schreibtisch ersetzt, die obere Etage beherbergt Ordner und manchmal auch den kletterfreudigen Kater.

Als ich ihm mal einen Kuli mopsen wollte, dengelte ich beim wieder aufrichten derart heftig an die Metallkante des oberen Bettes, dass ich dabei Sterne sah.

Heute rumste ich erneut dagegen, aber irgendwie... Fühlte es sich anders an. Weicher.
Siehe da, der Freund hat eine Schaumstoff-Ummantelung auf die Kante geklebt.

"Extra für dich."

"Du kennst mich ja schon gut..."

"Ich weiß doch, wie schusselig du bist."

Hm...

Verspult, Folge 8753

Wenn man aus der Klinik entlassen wird, erhält man eine Abschiedskarte von den Mitpatienten. Einen Vordruck, in den man Bilder und Sprüche einkleben und Wünsche hinein schreiben kann, die zum Patienten passen.
Keine beliebte Aufgabe, das ist anstrengend und dem/der Gehenden soll damit noch eine Freude gemacht werden.
Ich sitze also an der Karte für eine Mitpatientin und überlege: Was mochte sie gerne? Möpse. Also solche Möpse, nicht die, na, ihr wisst schon.
Ich google "funny pugs" und lache mir dabei den Ar*** ab.
Ich durchkrame meine Erinnerungen und suche passende Zitate heraus.
Nach über einer Stunde des Schreibens und Ausdruckens fragt die Krankenschwester: "Oh, hat Fr. G. auch einen Mops, das wusste ich gar nicht?"
"Ja, einen schwarzen."
"Wie Fr. K., was für ein Zufall."

Moooooment...

Wie sich heraus stellte, hatte ich zwei Patientinnen verwechselt.
Was soll ich sagen... mit Namen hab' ich es nicht so.
Oder wie P. es nennt: "Du kriegst auch gar nichts von den anderen mit."
Ne. Nicht mal den Namen.

Und gut, dass das noch rausgekommen ist. Wie hätte ich mich da denn sonst rausreden sollen?

Ich wollte dir damit nur sagen, dass deine Möpse toll sind.
Ach weißt du, ich dachte, jeder mag doch Möpse.

Chrr, chrr, hier spricht Captain Niveau. Wir sinken!

Seufz.

---
[Quellenangabe: Der Spruch ist von hier]

Jeder wie er mag

Wir sollen unsere "Wohlfühlorte" malen.

Ich male ein gemütliches Wohnzimmer, in dem ich alleine bin. Mit Decken und Kissen auf dem Sofa, Bücher- und DVD- Regalen, Malstiften, Strickzeug, Katze, Pflanzen. Nicht zu vergessen, die wichtigsten Utensilien für die passionierte Couch-Potato und "um-sich-selber-Kreiserin": Fernseher, Laptop, Kaffee ohne Ende und ein Stück Kuchen.

P. überlegt.

"Wat soll ick da denn jetzt malen?"

"Wo würdest du dich denn jetzt wohl fühlen?"

Sie überlegt.

"Ick male lauter nackte Männer mit langen Schniedeln. Da erschreckt ihr, wa?"

Wir fangen an zu gackern wie die pubertierenden Schulmädchen.

P. malt hochkonzentriert ihr Bild. Als sie fertig ist, frage ich enttäuscht: "Wo sind denn jetzt die Schniedel?" - wieder lautes Gegacker im Hintergrund.

P. grabscht sich einen Stift und fügt noch mehrere Strichmännchen mit drei Beinen an. Dabei brummelt sie vor sich hin, man solle nicht alles ernst nehmen, was sie sagt.

Ich würde sagen... Zum Thema "wohlfühlen" passt das doch prima ;-)

Freitag, 4. November 2016

Falscher Moment

U. zu L.: "Du weißt ja, was mal meine Todesursache sein wird?"
L.: "...?"
U.: "Sarkasmus im falschen Moment..."
A. wirft ein: "Sollen wir uns ein Doppelgrab besorgen?"

Chchrrr...

Dienstag, 1. November 2016

Keimphobie die Zweite

Wer hier schon länger mitliest, hat vielleicht im Hinterkopf, dass ich eine hoffnungslose Phobie gegen menschliche Keime habe.

Stundenlang mit den blanken Fingern in von Würmern und Vögeln vermutlich völlig verschissener Gartenerde wühlen... Kein Problem.

Kater im Bett schlafen lassen... Völlig wurscht.

Jemand niest im Wartezimmer neben mir, und ich würde am liebsten die Vorhangstange hinauf klettern, um der Virenwolke irgendwie zu entkommen... Würg. Türklinken: Eklig. Händeschütteln: Neiiin... *abwisch und nach Desinfektionsmittel-Fläschchen in der Handtasche kram*

Samstag: Wir stehen an der Supermarktkasse, als sich eine schniefende und hustende Kassiererin gepflegt in die Hand niest und einfach weiter kassiert, als ob nichts gewesen wäre. Als wir dran sind, niest sie erneut in ihre Hand und fasst mit der feuchten Handfläche meine nicht eingepackte (dachte, auf das Plastik könnte ich verzichten) Kaki-Frucht an. Während sich mir die Haare aufstellen und sich schlagartig Gänsehaut auf dem Rücken vor lauter Ekel ausbreitet, packt der Freund die Virenfrucht der Hölle seelenruhig in den Einkaufswagen.

Zuhause starre ich das Corpus Delicti auf der Küchenablage an und frage mich, ob es mich gerade auslacht. Wegwerfen oder doch noch essen? Schwäbischer Geiz versus Panik vor menschlichen Keimen... Aber ehrlich mal, das ist doch voll eklig? "Verseuchtes" Sputum, direkt auf die Frucht gestempelt...

Hab die Kaki dann mit kochendem Wasser überbrüht... Mehrmals...

An alle, die beruflich mit Menschen zu tun haben und das genau so machen: Man niest in die Armbeuge! ARMBEUGE!! Bitte immer dran denken!! Danke!

Foodtrend verbranntes Essen... Börks...

Im TV wird der neue "Trend" "verbranntes Essen" vorgestellt. Äh? Welchem schussligen Spitzenkoch war denn da wieder langweilig?

"Und das, wo Schatzi mich immer schimpft, wenn ich Verbranntes esse", kommentiert der Freund.

Ich schnippel das Angebrannte immer weg, und er findet das zu schade zum Wegschmeißen und futtert das dann auf.

"Ja, wegen dem Acrylamid", erwidere ich.

Während der Koch sein Essen verbrennen lässt, motze ich immer wieder: "Das ist ungesund. Das ist ungesund."

Dann faselt der Sprecher was von der Wirkungsweise von Aktivkohle, die die aufgenommen Giftstoffe wieder aus dem Körper transportiert, aha. Dann wird noch ausgerechnet, wie viele Kilo verbranntes Hähnchenfleisch man essen müsste, um auf die Giftstoffe einer einzigen Zigarette zu kommen.

Der Freund guckte mich triumphierend an. Bin dann schnell zum rauchen geflüchtet...

Was in Zukunft auf dem Herd anbrennt, ist jetzt also "Haute cuisine". Endlich mal ein Trend für mich.

Bäh...

Ehre wiederhergestellt

Nach dem Küchenchaos von neulich habe ich meine "Köchinnen"-Ehre (bin ja keine) heute mit einem Brauhaus-Gulasch wiederhergestellt


Auch wenn ich zwei linke Küchenhände habe, das Rezept ist so exakt beschrieben, dass ich nicht mal abschmecken musste. Ist natürlich keine Werbung, aber vielleicht hat jemand Bock, es mal auszuprobieren, war echt lecker. *In der Sauce wälz und Teller ableck*

Ehrlich gesagt, ist mir Kochen oftmals viel zu aufwendig. Daher gibt´s unter der Woche meist nur belegte Brötchen und Salat für mich und der Freund isst eh auf der Arbeit. Andererseits macht gutes Essen glücklich und mit ein bisschen Übung krieg ich das auch noch hin (wenigstens an den Wochenenden). Auch wenn bei meiner Geschwindigkeit (inkl. Einkauf, schnippeln, vorbereiten, Tisch decken, abspülen, Saucenspritzer von den Fliesen schrubbeln) meist der halbe Tag deswegen weg ist.

Wie machen das eigentlich "normale" Leute?
Und sagt jetzt nicht Thermomix, sonst seh´ ich rot...

PS: Vielen Dank an Goldi für das Blogger-Stöckchen, hab´ mich sehr gefreut bedacht zu werden und würde dich auch mal liebend gerne privat kennen lernen... Segen und Fluch des Internets. Da trifft man mal tolle Leute, und dann sind sie so weit weg.
Die Fragen folgen dann im Lauf der Woche :-)

PPS: Über dieses Zitat bin ich gerade noch gestolpert- "widme dich der Liebe und dem Kochen mit ganzem Herzen." (Dalai Lama)- och, das ist echt schön ♥ Genuss und so...

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Herbstlicher Gruß






Küchenchaos

Ich weiß nicht, wie ich auf die doofe Idee gekommen bin, Pizzateig selber machen zu wollen. Ganz gesund, mit Vollkornmehl oder so ähnlich. Zuerst war der Teig viel zu dünn und bis ich reagiert hatte, hatte das Rührgerät innerhalb von zwei Sekunden schon Wand und Gewürzregal voll gespritzt. Wie ich es geschafft habe, Pulli und Haare mit Mehl zu bestäuben, weiß ich auch nicht mehr so richtig. Und irgendwie war die Hefe nicht mehr gut, der Teig ging nicht richtig. Das Ergebnis war eine unappetitliche Schüssel voll säuerlichem Schnodder, den ich am liebsten im Klo runter gespült hätte.

"Ich dachte, heute gibt es Pizza?"

"Nein, Üüüberraschung... Es gibt... *Schränke aufreiß* ... Cornflakes. Oder Brot. Pass auf, wo du hintrittst, da ist noch Teig auf dem Boden."

Hat eigentlich nur noch gefehlt, dass die Schüssel in "Alarm für Cobra 11"- Manier explodiert, aber man kann halt nicht alles haben.

KABOOOM!!!

Blutpanik

H. hat wie ich die blöde Neigung, sich aufzukratzen, wenn sie nervös ist. Wie in Zeitlupe schaue ich ihr entsetzt dabei zu, wie sie gedanklich abwesend ein riesiges Stück blutende Nagelhaut abzureißen versucht. Mit einem kleinen Aufschrei schnellt mein Arm nach vorne, um ihre Hand vom finalen "Abrupf" abzuhalten, dabei stoße ich eine randvolle Kaffeetasse um, H. erschrickt zu Tode und mein Puls ist ebenfalls auf 180...

"Hast es ja nur gut gemeint", meint H., während sie mit einem Küchentuch die riesige Kaffeepfütze vom Tisch auftupft, und wirft mir einen Luftkuss zu.

Seufz.

Vierpfotiger "Weckdienst"

Wenn´s um´s Frühstück geht (Katzenbesitzer werden es kennen) kennt Katerchen kein Erbarmen. Im schlimmsten Fall bereits um halb fünf, im besten Fall gegen halb sieben, geht der Schlafzimmer-Terror los, und er hat sich im Lauf der Jahre so Einiges einfallen lassen, um uns aus den Federn zu kriegen. Ins Ohr schnurren, die Bettdecke kneten, in freiliegende Finger und Arme beißen. Irgendwann flog er aus dem Schlafzimmer und die Tür blieb zu, was mit stundenlangen Maunz-Orgien in den höchsten Tönen belohnt wurde. Einmal wachte ich mit einem Kratzer auf der Wange auf, wie der dahin gekommen ist, will ich gar nicht wissen. Auch effektiv: Frauchen über´s Gesicht laufen, am besten dabei mit den Pfoten auf die Augenhöhlen zielen. Erübrigt sich wohl zu sagen, dass die menschengemachte Verschiebung der Aufstehzeiten (Zeitumstellung, Wochenenden, Feiertage) den Fellbommel nicht im Geringsten interessieren. Aber im Lauf der Jahre sind Herrchen und Frauchen schon derart abgestumpft, dass sie an dem üblichen Theater gar nicht mehr aufwachen, und so musste Katerchen sich etwas Neues einfallen lassen.

"Klonk!", machte es, und der Wecker lag auf dem Boden und Frauchen saß senkrecht im Bett. Hatte sich das kleine Schlitzohr sofort gemerkt und seither landeten morgens in regelmäßigen Abständen Wecker, Brille und Handy und was sonst noch so auf dem Nachtschränkchen herum lag, scheppernd auf dem Laminat.

Die Brille bleibt jetzt im Bad, das Handy kommt nun jeden Abend in die Schublade und den Wecker... Kleb´ ich wohl am besten am Nachttisch fest...

PS: Als ich kürzlich um halb vier wach war, hab´ ich ihn einfach mal geweckt und "Frühstück" gerufen. Der hat vielleicht blöd aus der Wäsche geschaut, hi hi.

Schlaues Kerlchen

Komme gerade mit der in der Küche vergessenen Tasse Kaffee durch die Tür, als ich Katerchen auf dem Esstisch stehend erwische. Er hat in den Rand der Kaergarden-Verpackung gebissen und sie mit einem kurzen, schnellen Schwung vom Tisch geworfen. Beim Aufprall auf den Boden löste sich praktischerweise der Deckel, so dass er nur noch hinterher springen hätte müssen, um sein Werk (Mission "Butterdose öffnen und leer räubern") zu vollenden.

Wenn die "Wohlstandsbäuche" und das fast prall gefüllte Futterfach in der Küche nicht wären, müsste man glatt annehmen, dass die Miezen hier verhungern müssen...

Nicht für Sport geboren

2014 hab´ ich das mal richtig ernst gemeint mit dem "ich muss mich unbedingt mehr bewegen". Oder überhaupt mal bewegen, zum Auto gehen zählt ja nicht. Da ich zu schwer für Joggen Laufen war, griff ich schließlich zum Äußersten und stöckelte fortan mit Nordic Walking- Stöcken von Aldi durch die Pampa. Immer dran bleiben! Nicht gerade meine Stärke. Schnell hatte ich mich, selbst als absoluter Sportmuffel, an den täglichen "Auslauf" gewöhnt, wuff. Am schönsten war es im Herbst, als es kühler wurde und das Licht zu fehlen begann. So tankte man doch etwas mehr Tageslicht und die Luft war so schön klar und nicht mehr so stickig.

Leider, leider tat sich auf der Waage nichts. Gibt´s doch nicht... Ernährung umgestellt. Also nicht von rechts nach links, sondern von Weißmehl auf Vollkornbrot, dazu viel Obst und Gemüse, sogar vegetarisch und schließlich vegan kamen auf den Tisch. Und viel Wasser, ich hab´ getrunken wie ein Fisch. Mein Gesicht wurde schmaler, meine Silhouette definierter, ich fühlte mich fitter und hatte tolle das Gefühl, alles richtig zu machen, aber auf der Waage stellten sich keine nennenswerten Fortschritte (zwei Kilo in zwei Monaten) ein und meine Ungeduld wuchs.

Nach ca. sechs Monaten waren meine Knie chronisch geschwollen, ich stieg auf´s Fahrrad um und holte mir während einer Ausfahrt zwei Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule, an denen ich heute noch "nage".

War ich einfach zu doof für Sport? Im örtlichen Schwimmbad verkühlte ich mich regelmäßig und wurde immer wieder krank. Halsweh, Schnupfen, Blasenentzündungen, und so fort. Spazieren gehen führte auch nicht zum Erfolg. Und die Knie wieder. 2014 bin ich mehr gehinkt als gegangen...

Mai 2016 dann endlich der Durchbruch. Aufgrund meiner gesundheitlichen Lage und dem dadurch verbundenen Stress (danke nochmal an diverse Ämter und die Reha-Einrichtung vom letzten Post, ihr habt mich sicherlich Jahre meines noch jungen Lebens gekostet) hatte ich keinen Hunger mehr, lebte mehrere Wochen von Kaffee und einem halben Brötchen hier und da, und siehe da, der Zeiger setzte sich endlich in Bewegung.

Momentan stagniert die Abnahme etwas, aber ich vermelde: Minus 16 kg seit Mai, und mein BMI ist von "adipös" auf "voradipös" gerutscht. Noch ist nicht Schluss, aber: Endlich hat sich was getan, und das fast ohne Sport. Vom Treppensteigen oder gelegentlichen Spaziergängen abgesehen. Morgens gibt es Obst, Mittags ein belegtes Brötchen oder eine kleine warme Mahlzeit und Abends eine Schale Salat. Ich fange an, in meine alten Sachen zu passen (die mir nicht mehr gefallen, aufgehoben hab´ ich sie ja trotzdem mal, falls ich sie mal wieder anziehen möchte, ha ha).

Jedenfalls dachte ich gestern, ich könnte mal wieder die Stöcke auspacken und die Gewichtsstagnation mittels Sport wieder in Bewegung bringen, das Ende vom Lied: Bin gestern Abend vor Hunger fast gestorben und hab´ so richtig reingehauen. Heute morgen hatte ich prompt ein Kilo mehr auf der Waage.

Vielleicht bin ich einfach nicht für Sport geboren. Aus den Walkingstöcken mache ich jetzt Rankhilfen für Blumen...

Nachtrag: Fleisch kommt jetzt übrigens auch wieder auf den Tisch...

Dienstag, 25. Oktober 2016

Wünsche ans Universum...

... Waren ein wenig der running gag in der Klinik gewesen. Eine Mitpatientin hatte ein Buch zum Thema gelesen und war von diesem "Konzept" derart begeistert (und überzeugt), dass sie sich nach Scheidung und mehrjährigem Singleleben einen neuen, netten Mann von Selbigem gewünscht hatte, was von den anderen eher belächelt wurde, aber nach zwei Tagen dann tatsächlich funktioniert hatte.

Sie war mit einem netten Verkäufer ins Gespräch gekommen und hatte sich auf einen Kaffee mit ihm getroffen und tatsächlich wurde schließlich mehr daraus. Gestern bestellt, am nächsten Tag geliefert, freute sie sich. Ich glaube ja eher an die Macht des Zufalls, aber man weiß ja nie.

Jedenfalls könnte ich so eine "Bewilligung" vom Universum derzeit echt gut gebrauchen, denn letzte Woche wurde eine berufliche Reha für mich beantragt, und nach dem Reha-Desaster im Mai

(man hatte mich nach zehn Tagen mit den Worten "es sei noch zu früh für eine Reha" nach Hause geschickt und hatte mir dann einen echt üblen Arztbrief hinterher geworfen, in dem u.a. "bescheinigt" wurde, dass ich die Reha beendet hätte und dass ich trotz zweier schwerer Diagnosen voll erwerbsfähig (mit Einschränkungen) sei. Mein Widerspruch wurde ignoriert, erst als der soziale Dienst im Krankenhaus einen erneuten Widerspruch schickte, erhielt ich eine Reaktion mit den Worten: "Wir hielten es für besser, dass Sie unserem Vorschlag, die Reha zu beenden, gefolgt sind und unser Arzt die Rehabeendigung nicht veranlassen musste", und wenn meine Erwerbsfähigkeit noch nicht wiederhergestellt sei, würden sie um eine erneute Begutachtung bitten. Der Rehabericht wurde natürlich nicht, wie gefordert, abgeändert. Mir stockt immer noch der Atem, wenn ich an diese "Abwicklung" denke, es geht ja "nur" um meine Zukunft und um existenzielle Ängste)

habe ich irgendwie die Hoffnung verloren, dass die Rentenversicherung eine Reha ein weiteres Mal bewilligen wird. Bitte drückt mir alle Daumen, durch den längeren Klinikaufenthalt, der hinter mir liegt, habe ich das Gefühl, wieder mehr Kraft zu haben und das Ganze wuppen zu können, und sollte der Antrag abgelehnt werden, werde ich dann eben als Futter für´s Jobcenter enden, und wie die mit chronisch Kranken umgehen, mag auf den Fall ankommen, aber viel Gutes habe ich dazu noch nicht gehört.

Hab´s mir mal vom Universum gewünscht. Wer weiß, vielleicht bringt´s ja was.

Die Eremitin kriegt Freizeitstress

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten (ich favorisiere ja eher die Lebensform "passionierte Höhlenbewohnerin") habe ich die letzten zwei Wochen bereits
- eine Freundin gedatet, die sich beschwerte, mich schon seit Wochen nicht mehr gesehen zu haben
- zwei ehemalige Mitpatientinnen auf Kaffee und Zupfkuchen getroffen
- brav alle eingehenden WA- Nachrichten beantwortet
(by the way, ich rätsle noch, wie ich "nett" rüber bringen kann (oder doch lieber direkt?), dass ich bitte keine 1000 sinnlosen Videos mit zig MBs (an dem sich mein Billighandy mit Minispeicher und Tarif mit kleinem Datenvolumen ´nen Ast lädt) oder diese ollen Kettenbriefe ("schicke das an alle Personen, auch an mich, wenn du willst, die du nicht verlieren möchtest") geschickt bekommen haben möchte. Ich krieg Hautausschlag, wenn ich das Zeug nur sehe... Einen Kontakt habe ich auch gleich wieder einschlafen lassen, ich bin nicht die Frau für stundenlange Chats mit oberflächlichem Smalltalk- was geht da im Gegenüber vor? Langeweile? Einsamkeit? Versteh´ ich nicht.)

Bin fix und alle, wenn das so weiter geht, krieg ich noch Freizeitsstress ;-)

Montag, 24. Oktober 2016

Eremit und Emerit

Tagesklinik-Psychologe im Abschlussgespräch:

"Wissen Sie, was 'Emerit' eigentlich bedeutet?"

Klar weiß ich das. Warum fragt er und warum sagt er Emerit? Es heißt doch Eremit. Na egal, ist auch nicht so ein häufiger Begriff in der Alltagssprache (es sei ihm verziehen).

Auszug aus seinem Arztbericht:

"... erarbeiteten wir Persönlichkeitsmerkmale und benannten diese, z.B. Der Emerit"

Da der Psychologe ansonsten sehr sprachgewandt war, googelte ich in einem Anfall von Panik doch nochmal nach. Hatte ich etwa monatelang "Eremitin" falsch geschrieben, mit falscher Blogadresse und allem, kann doch fast nicht sein...

Ergebnis:

Eremit (im weiteren Sinn): "Ein Mensch, der mehr oder weniger abgeschieden von den Menschen lebt" (Quelle: Wikipedia)

[Anmerkung: Das ist "mein" Eremit]


Eremit (im engeren Sinn): Leben in Abgeschiedenheit aus religiösen Gründen (Quelle: Wiktionary)


Emerit: "Im Alter dienstunfähig gewordener Geistlicher" (Quelle: Duden)


... Öhm. Überraschend. *kopfkratz*

Sonntag, 23. Oktober 2016

Fluchtreflex

Ich liebe es (wenn ich mal wieder nicht schlafen kann), spätnachts noch draußen zu sitzen und in stiller Selbstbezogenheit den reduzierten Geräuschen der nächtlichen Stadt zu lauschen. Es ist menschenleer (so muss das!) und heute regnet es. Da taucht plötzlich eine Gestalt aus der Dunkelheit auf, bleibt stehen und spricht mich an. Schock... Lass mich! Welchen Psychopathen habe ich mir jetzt angelacht? Anhand der beiden wuscheligen Fußhupen entzückenden kleinen Hündchen zu seinen Füßen gibt mein Hirn aber dann gleich Entwarnung: Es ist der freundliche ältere Nachbar.

"So spät noch draußen?"

"Äh, ja, noch etwas frische Luft schnappen."

"Wir waren gerade spazieren, aber dann hat es angefangen zu regnen..."

Mein Kontingent an Kommunikationswillen ist erschöpft. Ich nicke, aber gucke nur noch blöd aus der Wäsche. Fühl mich auch irgendwie unwohl in meiner Schlabberhose und der zerknautschten Sturmfrisur.

"Gute Nacht", wünscht er und geht weiter.

Gute Nacht. Nett isser ja...

Bin dann schnell geflüchtet. Nur für den Fall, dass die Nacht noch mehr Menschen ausspu(c)kt.

Freitag, 14. Oktober 2016

Im unwahrscheinlichen Fall einer Zombie-Apokalypse

Da wir beide das Einkaufen versäumt haben, ist der Kühlschrank gerade auf Nullzustand gesetzt und ich hab noch ein "Hüngerchen". Nicht groß genug, um noch ein paar Nudeln zu kochen, aber auch nicht mittels Kaffee und Kippen wegzubekommen. Ist keinen Blogeintrag wert, aber mich amüsiert gerade der Gedanke, dass wir im unwahrscheinlichen Fall einer morgigen Zombie-Apokalypse entweder die Ersten wären, die verhungern würden, oder die Ersten, die die Nachbarn überfallen, um an die eingemachten Pfirsiche im Keller zu kommen.

Wenn es um die existenziellen Grundbedürfnisse geht, wird halt auch noch aus dem letzten angeblich so zivilisierten Anzugträger eine hungergeifernde Bestie.

Kein Ü

Ein sehr freundlicher, deutsch-italienischer Mitbürger:

"Das macht dann funfundfunzig funfzig."

Jetzt nicht lachen, jetzt nicht lachen.

Grins.

Nach meinem Geschmack

Hört sich als Metal- Version doch viel besser an...


Und oh Wunder, oh Wunder, T. und ich können nun auf "portugiesisch" mitsingen


Und noch ein Gruß aus dem Schwabenländle

Mein Recht auf lange Haare

Vor zwei Jahren beschloss ich, meine ziemlich dicke Wuschelmähne einfach mal wachsen zu lassen (so wie ich sie auch in der Kindheit/Jugend getragen habe). Da mir mein aschiges Dunkelblond bzw. Hellbraun zu fade war, begann ich schließlich, sie Kupferrot zu färben. Strahlendes Möhrenrot. Blöd nur, dass die Farbenpracht sich meist nur um die zehn Wäschen hält und dann lediglich einen ausgewaschenen Goldton zurück lässt. Na ja, andere Geschichte.

Da ich eh keine Haargummis mag (von Zöpfen kriege ich Kopfschmerzen) und ich die Zottel eh lieber um mich flattern lasse, trage ich sie meistens offen.
Etwas Locken-Festiger und später noch einen Klacks Gel hinein (zum "Locken definieren", wie es so schön heißt) und gut.

Mit Frauen erlebe ich dann meistens das, was Frauen mit (manchen) Männern erleben, wenn es um die Oberweite geht: Es wird unentwegt darauf gestarrt (in meinem Fall auf die Haare). "Deine Haare sind so dick, das möchte ich auch!", "sind das Naturlocken, wow..."

Jedenfalls bin ich, vom Farbproblem abgesehen, mit meiner Matte nach Jahren des Ausprobierens derzeit zufrieden. Was habe ich mich mit Rundbürsten, Glätteisen und schlecht geschnittenen Ponys gequält. Neuerdings werde ich aber immer wieder darauf angesprochen, dass ich was mit meinen Haaren machen müsste. Nicht, weil sie ungepflegt sind (darauf achte ich penibelst!), sondern weil ich mich angeblich "unter meinen Haaren verstecke".

So auch neulich in der Gruppenrunde: "Frau Eremitin, heute haben sie ja einen Zopf, toll, man sieht endlich auch mal ihr Gesicht."

???

Eine zustimmende Mitpatientin: "Du hast echt tolle Haare, aber warum versteckst du dich, das hast du doch gar nicht nötig?"

Nächster Tag: "Ich kenn´ da eine super Friseurin, die könnte was ganz Tolles aus deinen Haaren machen."

Übernächster Tag: "Heute wieder kein Zopf, warum versteckst du dich?"

Naaaargh. Noch ein Kommentar dieser Art und ich gehe durch die Decke!!!

Was ist so schlimm daran, sich mit einem "Vorhang" zwischen sich und der Umwelt etwas wohler zu fühlen? Ich muss nicht ständig im vollen Kontakt zur Umwelt stehen (von allen Seiten "einsehbar" sein), die Eremitin hat auch ihre Daseins-Berechtigung. Introvertiertheit (in sich gekehrt sein, Energie aus der Ruhe beziehen) ist nicht gleich Schüchternheit (soziale Angst), das sind zwei Paar Schuhe. Aber reizt mich nur weiter, dann lernt ihr auch mal meine extrovertierte Seite kennen. Die, die mit Friseurscheren um sich wirft...

Bin dann mal weg, meine Mähne im Wind schütteln und die Hippie-Hymne von Scott McKenzie summen....

Verdroschen

Der derzeit einzige Mann in der Truppe hilft U. beim Kuchen backen.

"Was kann ich machen?"

"Mach mal die Schokolade klein." (Anmerkung: Für die Chocolate Chips)

"Womit?"

Sie gibt ihm ein Nudelholz (zum "plattwalzen"), er betrachtet erst interessiert das ungewohnte Werkzeug und drischt dann wie mit einem Hackebeil auf die Schokoladentafel ein.

Der Anblick: Unbezahlbar.

Kommentar vom Freund: So mache ein Mann das halt. Wie beim Holzhacken.

PS: Der Kuchen war echt lecker. Heller Rührteig mit einem Glas Kirschen und riesigen ;-) Schokostückchen. Schmeckt bestimmt auch super mit einem Teelöffel Zimt im Teig.

Ein Hoch auf die infantilen Anteile

Gestern trug ich eine weiße Bluse mit schwarzen Sternchen und darüber einem schwarzen Pullover, dazu einen dünnen, schwarzen Haarreif.

An der Kasse wieder das: "Sind sie schon 18?"- Spiel und die ungläubig geweiteten Augen der Kassiererin beim Anblick meines Geburtsdatums. War es der Haarreif, der mich aussehen ließ wie ein Schulmädchen?

Eine Mitpatientin: "Ich hätte dich höchstens auf 22, 23 geschätzt."

Oh... Na ja, egal. Habe mir auf den "Schrecken" hin erst mal Einhorn- Haarspangen bestellt, hi hi.

Jetzt erst recht, ist doch klar.

Na, mein Alter

U. erzählt:
"Morgens muss ich immer aufpassen, mein Hund liegt vor dem Bett, damit ich nicht auf ihn trete."
Ihre Stimme wird lauter, sie erzählt, wie sie ihn dann begrüßt:
"Guten Morgen, mein Alter!"
Zeitgleich geht der Psychiater hinter ihr vorbei, fühlt sich angesprochen und erwidert:
"Guten Morgen!"

Gelächter.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Neue Nerven (please!)


"Manchmal bin ich mit dem Kopf auch bei der Sache."
"Ne, das hab' ich aufgegeben. Ich kauf mir jetzt einen neuen Kopf. Mal gucken, wo es den gibt."
"Amaz**. Die haben doch alles."
"Ob die da auch neue Nerven haben?"
"Drahtseile?"

Praktisch wär's ja schon.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Zombie

Nacht: Kaum geschlafen.
Morgen: Aus dem Bett rollen, regelrecht ins Bad kriechen, Haare sehen aus wie ein Wischmop. Keinen Bock, sie zu bändigen. Dann geh ich halt mal wieder als Merida.
Zum Auto stolpern, Schlüssel vergessen, Handy vergessen, aufpassen, dass ich die Mülltonne nicht umfahre, wacklige Teilnahme am Verkehr. Ankunft Klinik, nach der Kaffeekanne angeln. Lasse fast die Tasse fallen. Mehrere gefühlt zu fröhliche "Guten Morgen" von allen Seiten. In meinem Kopf dudelt "what´s in your heee-eeead, in your heee-eeead, Zombie, Zombie, Zombie...." von der Cranberries.

Zehn Uhr. Der Tag fängt an zu laufen.

Zombie, Zombie, Zombie...

Samstag, 24. September 2016

Jodelkurs

Mitpatientin: "Jodeln ist eigentlich voll einfach. Du musst nur 'hol a Rührei, hol a Radio" singen.

Hollarüheihollaradio.

Hatte ich zwar nicht auf der "to do"- Liste, aber: Geht.

Heute früh bei Fressnapf

Heute früh (ein sonniger Samstagmorgen mit schon leicht herbstlichem Nebel auf den Wiesen) und nach einer echt üblen Nacht (ich sag nur, Traum in dem man stirbt) stand ich um zwei Minuten nach neun an der Kasse und wollte bezahlen, als jemand hinter mir meinen Namen ruft.
Ich dreh mich um, es ist meine Chefin. Zur Erinnerung, ich bin schon länger krank geschrieben und gerade in einer Klinik. Dass ich nicht vor Schreck in Ohnmacht gefallen bin, war alles.
"Ja, wie geht´s dir denn??"
Oh nein. Ich will jetzt nicht reden.
Ich erzähle, gerade in einer Klinik zu sein.
"Ja, du musst dir halt auch helfen lassen."
Tolle Idee. Bin ich selbst noch nicht darauf gekommen. *Sarkasmus off*
Freundlich verabschiedet, schnell bezahlt und mit Vollgas vom Parkplatz gebrettert.
Nicht dass das Gespräch draußen noch weiter geht. Meine Chefin kann da sehr hartnäckig und verdammt neugierig sein.

Ob die irgendwann die Geduld verlieren und mir kündigen?

(Danke Schicksal, ich hasse dich auch!)

Donnerstag, 22. September 2016

Zigaretten-Notfall

"Schatz, kannst du mir zehn Euro leihen?"

"Warum?"

"Die PIN für die neue EC ist noch nicht da und die Bank hat schon zu."

"Was willst du denn kaufen, ist doch alles da?"

"Zigaretten."

"Ach, ich soll deine Sucht unterstützen?"

"Bitte." *Hundeblick aufsetz* "Ist ein Notfall."

"Hm." Er überlegt, dann neckend: "Erst mal auf die Knie mit dir."

Lasse mich theatralisch auf die Knie fallen, er guckt überrascht.

"Hey, das funktioniert ja tatsächlich. Warte."

"Was denn noch?"

"Ich muss erst überlegen, was ich noch alles von dir verlangen könnte."

Ich verpasse ihm einen deftigen Schlag gegen´s Schienbein.

"Ja, ja, ist ja schon gut. Hier."

Na also, geht doch.

Katze im Sack

Eine Patientin mit einer Strickjacke mit Katzenmotiv läuft vorbei.

Der humorlose Patient von neulich versucht einen Witz zu machen.

"P., du hast die Katze im Sack gekauft."

Keiner lacht.

Netter Versuch.

Das wär´s ihm wert


Der Freund durchstöbert die Umkreissuche der Ibäh-Kleinanzeigen.

"Schatz, möchtest du einen katholischen Schrein haben?"

"Oh, aber ja doch... Da werde ich jeden Abend davor sitzen und zehn mal das Ava Maria runterbeten."

"Das will ich sehen... Gekauft."

Uuh.

PS: War natürlich nur ein Scherz von ihm

Montag, 19. September 2016

Verlesen

Laufe im Krankenhaus an einem Schild vorbei und lese "Gesäßsprechstunde".
Giggel vor mich hin mit Kopfkino par excellence, drehe noch mal um und lese nach: "Gefäßsprechstunde".
Ach so.
In meinem Kopf klang das irgendwie lustiger...

Freitag, 16. September 2016

Eremiten-Gen

Psychologe: "Wenn Sie sich isolieren, bekommen Sie nicht, was Sie wollen."

Mist. Er hat Recht.

"Ich bin in der Losertruppe"

Soziales Kompetenztraining.
Leiterin: "Letzte Woche habe ich Ihnen angeboten, dass Sie in unserer kleinen Runde einen Vortrag halten können. Wer möchte die Chance nutzen und ein wenig üben?"
Keiner meldet sich.
C. guckt schon wieder etwas genervt.
Ach komm, das muss ich nicht üben. Hatten wir im Studium zig mal.
Obwohl... Ich könnte die Anderen mit "artgerechter Kaninchenhaltung" langweilen. Oder einen Beweis aus der Deskriptiven Statistik an den Flipchart kritzeln. Hi hi.

"Na gut, dann verschieben wir das auf nächste Woche. Ich teile Sie jetzt in zwei Gruppen ein und stelle Ihnen eine Aufgabe. Es geht weniger um die Lösung, Sie sollen vielmehr im Team arbeiten und sich austauschen."

Die andere Gruppe ist schneller.
"Oh nein, ich bin in der Losergruppe", stöhnt C.
Sie kneift mich mehrmals in die Seite. "Loser, Loser!"
Ich klatsche ihr das Manuskript auf den Kopf.

"Brauchen Sie Hilfe?"

Nee... Uns kann keiner mehr helfen.

Stadt, Land, whatever

Krankenschwester: "Überlegen Sie sich einen Programmpunkt für den Wochenausklang."
C.: "Was soll das sein?"
Schwester: "Ein Spiel, ein Vortrag, ein Gedicht, was Sie wollen."
C. murrt vor sich hin, dass sie sich langsam wie im Kindergarten fühle.
"Stadt-Land-Fluß?"
"Stadt-Land-Medikament?"
Gelächter, aber keiner will mitmachen.
"Stadt-Land-Tier?"
Also gut. Stifte und Block machen die Runde.
"Tier mit E?"
"Einhorn!", rufe ich über den Tisch.
"Gilt!", brüllt C. zurück.

Hoch die Hände, Wochenende...

Reittherapie die Zweite

Eine Katze streicht um die Beine. Zwei Hunde wollen gestreichelt werden. Ein Jungpferd streckt den Kopf über den Zaun, knabbert an meiner Brille und wuschelt mit der rosa Schnauze durch meine Haare.
"Können Sie sich losreißen?"
Ja, ich komme.
Wir sitzen im Freien an einem von Kindern bunt gestrichenen Holztisch, die Kaffeekanne macht die Runde. Freilaufende Hühner gackern, im Kaninchengehege hoppelt ein weißes Widderchen am Zaun vorbei.
Der Himmel ist blau und leicht bewölkt, leichter Wind kühlt das Gesicht.
Goldruten wiegen sich am Holzzaun.
Die letzten Atemzüge des Sommers.
Ich wünschte, ich könnte jetzt die Zeit anhalten.

Weggelacht

"B. geht am Wochenende auf den Kinderbazar."
"Vielleicht kauft sie sich ein Kind?" giggelt T.
"Vielleicht gibt es Nachlass auf kleine Kinder..."
"Oder laute"
"Oder wenn der Name nicht gefällt"
"Was kann man eigentlich alles aus Kindern machen?"
"Kinderschnitzel"
"Kinderschokolade"
"Juniortüte"
"Ha ha... Die kannst du dann rauchen"
"Ich rauch' alles... Hauptsache es brennt..."
"Kindertrompete"
"Ha ha"

Mitpatient: "Lacht ihr schon wieder eure Probleme weg?"

Och komm.

Futter für´s innere Kind

Manchmal tut es gut, das innere Kind an den Start zu lassen.
Als ein Klinikangestellter heute den "Wasserkasten-Wagen" vor der Tür vergessen hatte (ein großer Metallkasten mit vier Rollen unten dran) hüpften T. und ich hinein und C. (im "wahren" Leben Gymnasiallehrerin) fuhr uns über den Hof. In jeder Kurve Quieken und lautes Gelächter.
"Und jetzt am Büro des Psychologen vorbei- ihr winkt", ruft C.
Die Fahrt endet abrupt vor der Oberärztin, die gerade die Treppe vom Parkplatz hochkommt und sich ein Grinsen nicht verkneifen kann. Gleichzeitig kam der Angestellte heran geeilt und wollte seinen Wagen zurück haben.

Psychologe in der Wochenabschlußrunde:
"Es gibt verschiedene Möglichkeiten, vor seinen Problemen zu flüchten. Man kann sie auch weglachen."

Er guckt uns an.

"Schauen Sie hin. Laufen Sie nicht vor ihren Problemen weg."

Och Menno. Es war doch gerade so schön.

Donnerstag, 15. September 2016

Tag gelaufen

Mittwoch. Ein "netter" Brief der Agentur für Arbeit "begrüßt" mich im Briefkasten.
Widerstehe dem Impuls, dahin zu fahren und der "Berufsberaterin" den Brief um die Ohren zu klatschen.
Der Auspuff hat angefangen zu röhren.
Außerdem ist meine EC- Karte weg.
Ob verloren oder entwendet (wir lassen immer unsere Handtaschen im Aufenthaltsraum liegen, obwohl man sie wegschließen könnte, tja, selber schuld, nech?) kann ich nicht nachvollziehen.
Nachdem ich zuhause und im Auto alles auf den Kopf gestellt habe, fahre ich zur Bank und lasse die Karte sperren. Zuhause lese ich, dass man trotzdem weiterhin mit der Karte über das Elektronische Lastschriftverfahren einkaufen kann. Also packe ich meine Tasche und fahre zur Polizei, um sie da auch noch zu sperren zu lassen. Ein müde Beamter guckt zur Tür heraus.
"Wollen Sie nicht lieber noch warten, vielleicht taucht sie ja wieder auf?"
Hallo??
Nein, ich will nicht mehr warten, während da vielleicht irgendein Irrer schon fleißig am shoppen ist. Nicht, dass da viel zu holen wäre, aber ich bleibe dann nachher auf den Forderungen der Inkassounternehmen sitzen, wenn es ganz doof läuft.
Er hält mir seufzend die Tür auf.

Donnerstagmorgen verschlafen. Schleppe mich zur Klinik und bin drei schwarzes Kafees später immer noch im "könnte-jetzt-sofort-schlafen-oder-langsam-durchdrehen-Modus".

Ist nicht mein Tag heute.

Mittwoch, 14. September 2016

Musiktherapie die Zweite

Auf dem Tisch steht ein Holzfrosch mit Zacken auf dem Rücken. Wenn man mit einem Stab darüber streicht (den man dem Frosch aus dem Maul ziehen muss), gibt er Klänge von sich.
Daneben liegt ein 5 Cent- Stück. Wo das wohl hingehört?

Als eine Teilnehmerin mit dem Frosch spielt, werfe ich ihm das Geldstück ins Maul. Es klappert. Der Therapeut dreht sich um.

"So, was machen wir heute, was bringen Sie mit? ... Wer hat denn da die Münze in den Frosch geworfen?"

Die Runde kichert.

"Das war ich... Ich dachte, das sei ein 'Wunsch- Frosch'".

Ich drehe das Vieh um, die Münze fällt klappernd auf den Tisch.

"Unglaublich", murmelt er. Und lacht.

Die Stunde wurde diesmal sehr lustig.

Schau nur, wie die Bäume glitzern

"Du musst das positiv sehen", sage ich zu C.
"Zum Beispiel ist das in Wahrheit keine Zigarettenasche, sondern Glitter."
C. guckt etwas hilflos.
"Und da hinten, siehst du den Regenbogen?"
C. schaut an den Bäumen hoch.
"Die Blätter sind so schon bunt", meint sie.
"Und wie die glitzern...", ergänze ich.
"Sag mal, was nimmst du eigentlich für Pillen?"
"Willst du welche?"
"Ach, du würdest sie hergeben?"
"Ich würde tauschen! Was hast du denn?"
Stimme von T. aus dem off: "Pillenwichteln war schon heute morgen!"

Alltagswahnsinn, wortwörtlich.

"Wir üben heute, Gefühle auszudrücken"

Die Gruppe ist heute etwas... Semi-motiviert. Die Kursleiterin will wissen, wie wir einen "Helden" darstellen würden. Weil die Vorschläge ausbleiben, macht sie einen "Popeye-Arm" (das sei nur ein Beispiel, betont sie) und der ein oder andere grübelt weiter.
Eine der älteren Teilnehmerinnen steht auf und macht den Hit***gruß. So richtig "schön" mit nach oben ausgestreckter Hand in der Luft. Entsetzte Gesichter bei den anderen Teilnehmern.

"Was machst du denn da?"
"Das ist doch kein Held!"
"Doch, das ist der Held schlechthin", wehrt sie sich, die Hand immer noch in der Luft.
Empörtes Tuscheln.

"Wen wollen Sie denn darstellen?", fragt die Kursleiterin.
"Na, den Supermann! Das ist doch ein Held??"
"Der macht aber eine Faust!", rufe ich.
Sie guckt verdattert.
"Das hat mir mein Enkel aber nicht gesagt."

Gelächter.

Montag, 12. September 2016

Danke Nachtschlaf, ich hasse dich auch

Sonntag Abend um kurz nach zehn müde geworden. Heureka!
Gleich ins Bett gegangen und weg gewesen.
Um zwei wieder wach geworden und hellwach im Bett gesessen. Musik gehört, herum gegangen, nichts. Immer noch hellwach.
Könnte eigentlich noch die Wäsche aufhängen, dachte ich... Und bin mit dem vollen Wäschekorb die Treppe hochgefallen. Bilanz: Beide Knie blau und der Freund ist auch noch wach geworden.
Jetzt ist es Tag und ich bin wieder hundemüde... War klar.

Samstag, 10. September 2016

Willkommen bei den Einhornikern

Da brat mir einer einen Storch. Ich habe eine erwachsene Person gefunden, die Einhörner genau so toll findet wie ich.

"Meines ist rosa und weiblich", sagt T.

"Meines ist weiß und männlich", sage ich.

"Das passt ja!", sagt T.

"Ja, wir könnten sie treffen und viele kleine Einhorn-Babys machen lassen", sage ich.

Wenn es sie denn in real gäbe, hö hö.

Fallen imaginäre Haustiere schon unter die Rubrik "imaginäre Freunde"?
Hört sich bekloppt an, isses auch. Herrlich bekloppt. Das innere Kind jubiliert.

T. sammelt Dinge mit Einhörnern drauf. Auch schön.

"Ganz wichtig, meines pupst Regenbögen."

Ne, das macht meins nicht. Aber es hat eine regenbogenfarbene Mähne.

T. hat einen Namenschart auf dem Handy, mit dem man sich seinen "Einhorn-Namen" heraus suchen kann. Meiner klänge aber irgendwie doof. Ne.

"Bei Facebook gibt es die anonymen Einhorniker", informiere ich T.

"Anonym? Ne, da hab' ich kein Problem mit, das darf ruhig jeder wissen."

Na dann.

PS: Wir tragen beide Chucks in fröhlichem Schwarz und lieben T-Shirts mit bekloppten Sprüchen. Hab' ich etwa meine Seelenverwandte gefunden? Huuii. Spannend.

Pizzadiebstahl

Ein plauderndes Pärchen geht an mir vorbei. Er trägt eine Pizzaschachtel vor sich her.
Überlege kurz, ihm das Teil aus der Hand zu reißen und die Pizza noch vor Ort zu verschlingen.

Die Diät tut mir nicht gut. Ernsthaft jetzt.

Na los, setz' dich auf meine Hand!

Kürzlich las ich Netz von einer Userin, die von dem Phänomen berichtete, dass sich Tiere wie Schmetterlinge oder Vögel auf ihr niederlassen. Anbei ein Handybild von einem orangefarbenen Schmetterling, der auf ihrem Handrücken saß.

"Wie schön, das will ich auch", dachte ich. Und habe gerade mehrere Minuten zugebracht, einem Kohlweißling die Hand hinzuhalten, der aber nichts von mir wissen wollte und eilig davon geflattert ist.

Funktioniert bei mir wohl nur mit Stechmücken.

Freitag, 9. September 2016

Sowas von "fit"

Hechle die langen und steilen Treppen vom Parkplatz zur Klinik hoch. Schnappatmung. M. lacht. "Geht also nicht nur mir so." Ne. "Weißt", fährt M. fort, "vor ein paar Jahren hab' ich noch Fußball gespielt, da warste noch fit. Heute muss ich schon den Stuhl mit auf den Platz nehmen."
Muss lachen. Kann ich sehr gut nachvollziehen. Problem nur: M. ist 30 Jahre älter als ich.
Hmpf.

Donnerstag, 8. September 2016

Wer bin ich?

Diese Frage beschäftigt mich schon länger und leider kann ich mir immer noch keine befriedigende Antwort darauf geben, auch wenn der gedankliche Notizenstapel dazu mittlerweile gefühlt zum Himmel reicht.

"Überlebende", kommt mir (leider) in den Sinn. In mehrfacher Hinsicht.

Geht´s?

"Ich wollte gestern noch wandern, aber ich hab´s nicht mehr geschafft. Ich dachte mir, wenn schon scheisse, dann laufend scheisse."

Öhm.. Joa.

Dienstag, 6. September 2016

Morgenmuffel

Gemeinsames Frühstück. Kann ich mal bitte den Kaffee haben? Wo ist die Butter?
Reges Hin- und Hergereiche.
Bla bla bla. Bla bla bla. "Ich war gestern Abend noch mit dem Hund draußen." "Am Wochenende ist doch Stadtfest in xy." "Ist noch Kaffee da?" Ein Königreich für ein Pärchen Ohropax.

Starre mufflig in meine Kaffeetasse. Zehn Minuten noch, dann wird abgeräumt.
Zehn Minuten, die sich wie eine Ewigkeit dahin ziehen und jede Bewegung im Nirvana verhallen lassen.
Klack klack, der Löffel in der Kaffeetasse ist so laut.

Bin einfach kein Morgenmensch.

Montag, 5. September 2016

Iiih... Nacktschnecken

Dieses Jahr ist es extrem. Morgens oder bei feuchter Witterung kann ich nicht mal den Gartenweg geradeaus runter laufen, ohne dabei nicht über zig Schnecken steigen zu müssen.

Was tun mit den Biestern? Als ich im Krankenhaus war, haben sie sich so ziemlich alles geholt. Dahlien, Sonnenblumen, Zinnien, Chrysanthemen, Kohlrabi...

Alles weg, weg, weg... Sogar im Hochbeet.

Laut Internet gibt es die fiesesten Lösungen, die mich eigentlich nur zum Erbrechen bringen. Schnecken durchschneiden, never ever. Schneckensud kochen... Würg.

Biologisches Schneckenkorn... Hm, weiß nicht. Will keine Chemie im Garten, die vielen Autoabgase reichen allemal... Auch nicht welche, die für den ökologischen Anbau zugelassen ist.

Bei letzten Regenguss sammelte der Freund dann einen gut 3/4 Eimer mit Schnecken ein, die dann auf eine Wiese umziehen durften. Zeitaufwendig allemal und beim nächsten Regenguß war der Garten wieder voll. Als ob sie im Nachbargarten alles stehen und liegen gelassen hätten und zu uns gekrochen wären. Ist ja wieder Platz...

"Kann man die eigentlich essen?", fragt der Freund.

"Willst du denn?"

"Gott bewahre... Würde mich nur mal interessieren."

Tante Gockel befragt- ne, sind zu bitter.

Mal gucken, wie das nächstes Jahr wird.

Freitag, 2. September 2016

Katerleiter

Unser Kater maunzt. Laut und durchdringend. Das Problem: Ich seh´ ihn nicht.

"Siehst du ihn?"

"Ne."

Suchende Blicke.

Wir entdecken ihn im zweistöckigen Nachbarschuppen, so einem uralten Bretterverschlag. Dort hockt er im Dachgeschoss und streckt die Schnauze durch eine Bretterritze.

Wie er da hochgekommen ist, hat sich uns noch nicht erschlossen, aber nach einer kurzen Leiteraktion (die Krallen panisch in die Schulter des Freundes geschlagen) hat er mittlerweile das Abendessen im Bäuchlein und lässt es sich auf dem Sofa mit Streicheleinheiten gut gehen.

"Ich-wünsche-mir-nicht" - Liste

Patient: "Was schreibst du denn da?"

Patientin: "Meine 'Hausaufgabe'. Ich soll aufschreiben, was ich mir nicht wünsche."

Patient: "Was du dir nicht wünschst? Warum muss man das aufschreiben?"

Patientin: "Weil ich gerade nicht so richtig weiß, was ich mir [für mein Leben] wünsche. Darum fange ich so herum an."

Patient: "Das muss ich mir nicht aufschreiben. Was ich mir nicht wünsche, habe ich schon."

Ich muss (mitfühlend) lachen.

Die neue Waage

Der Freund hat vor einiger Zeit eine neue Waage gekauft. Sie steht neben der alten Waage im Bad.

Am Anfang waren wir uns spinnefeind, denn das Scheißteil hat doch glatt 1,5 kg mehr angezeigt als die alte. Gut, musste ich mir eingestehen, die Eichung der alten Waage stimmt offenbar nicht mehr.

Nun 12 kg leichter machte es wesentlich mehr Spaß, auf die neue, moderne Waage zu steigen. Bis der Freund heute morgen bat:

"Kannst du dich wieder mit der alten Waage wiegen?"

"Warum?"

"Du verfälschst meine Wiege- Statistik, weil du leichter bist als ich."

"Du meinst...?"

"Ich hab´ da so eine App auf dem Handy."

Und da hat die Waage meine Gewichtsdaten "netterweise" immer schön hingesendet. Wer ahnt denn schon, dass die Dinger heutzutage bereits mit dem Handy verbunden sind.

Jedenfalls "unterstützen" (hört sich besser an als kontrollieren) wir uns gerade gegenseitig bei der Gewichtsabnahme, in dem wir gucken, dass der andere nicht zu sehr entgleist. Und jetzt kommt mir mein Gelogenes "die Chips sind schon okay Schatz, hab´ ja nicht mehr zugenommen" irgendwie doof vor.

Mittwoch, 31. August 2016

Raten Sie mal!

Der Musiktherapeut legt eine CD ein und bittet uns zu überlegen, von welchem Kontinent oder Land die Musik stammen könnte, die wir gleich hören werden.

Zu hören: Meeresrauschen und irgendwas Getrommeltes und Gezupftes, was ich nicht einordnen kann. Mit Musikinstrumenten hab´ ich es leider nicht so. Die Musik ist irgendwie "luschig", nach ein paar Sekunden habe ich gedanklich abgeschalten.

"Wie wirkte es auf Sie?", fragt er.

"Beruhigend, gleichförmig, angenehm, harmonisch", schwärmen die Patienten.

"Und auf Sie?"

"Das Meeresrauschen war noch ganz schön, aber dann wurde es langweilig."

"Langweilig?"

Die Augenbraue des Therapeuten rutscht nach oben.

"Ok, dann raten Sie mal, woher diese Musik stammen könnte."

"Mittelmeer? Indien?", raten die Patienten.

Der Therapeut hält den Rücken der CD-Hülle vor sich und dreht sie um.

"Bali."

"Das konnte man schon vorher lesen", informiere ich ihn. "Auf der Rückseite steht es auch." Bali- Klänge. Ich deute mit dem Finger darauf.

Seinen Gesichtsausdruck kann ich nicht deuten, aber er macht eine angedeutete Bewegung, als wolle er mir mit der Hülle auf die Finger klopfen.

"Sie sind ein Fuchs!", brummt er.

Kicher.

Freitag, 26. August 2016

Abendstimmung

Nebenan spielen Vater und Sohn Fußball.
Sie summen dazu den Titelsong aus "Fluch der Karibik".

Da da damm damm da da damm damm
da da damm damm da da damm.

Da da damm damm da da damm damm
da da damm damm da da damm.

Der Ball klatscht immer wieder an den Zaun, es scheppert.

Ich beobachte eine Nacktschnecke, die am leer genagten Gerippe einer Chrysantheme entlang kriecht.

Tja, nix mehr zu holen. Mistvieh.

Der rote Stier scharrt mit den Hufen.

Die Worte einer Krankenschwester hallen mir im Kopf nach.
"Das ist das Leben."

Sieht so aus.

Hatte mir das alles irgendwie spannender vorgestellt.

Reittherapie

"Sie sind wirklich noch nie geritten?"
"Nein."
Ich verkneife mir den ollen Heidi Klum- Kommentar und folge meiner "Führerin" (ein junges Mädel, das auf dem Hof aushilft) in den Stall.
Mona ist ein großes braunes Pferd mit dicken Stampfbeinen und grauer Zeichnung. Keine Ahnung, wie die Rasse heißt, ist auch egal. Mona steht abgewandt und wirkt, als ob sie in Ruhe gelassen werden will. Irgendwie tut sie mir leid.

Mona wird angebunden, das Mädel zeigt mir, mit welchen Bürsten man Fell und Mähne pflegt, und leitet mich beim Hufe auskratzen an. Mona bekommt verschiedene Utensilien verpasst, eine Decke, einen Gurt, Halfter, einen Gehörschutz (so ein Stoffteil, was über die Ohren gezogen wird).

Mona sieht immer noch so aus, als würde sie den Kopf hängen lassen. Irgendwann hebt sie ihn aber doch und nickt zwei mal nach oben.

"Ich glaube, Mona freut sich", sagt das Mädel. Mona wäre die letzten Tage wegen einer Hufverletzung schlecht drauf gewesen.

Ich bekomme einen Helm und darf mittels einer Rampe aufsteigen. Ich mache mir die ganze Zeit Gedanken, ob ihr das nicht weh tut, mich als Gewicht auf dem Rücken zu tragen.
"Die Mutigste voran", sagt die Therapeutin. Mona wird an die Spitze des Zugs geführt. Wir traben los. Es schaukelt hin und her. "Becken nach vorne", korrigiert mich die Therapeutin.
Brennende Sonne, Maisfelder, Koppeln, strahlend blauer Himmel.

Das Mädel läuft vor mir her und führt Mona an einer Leine. Widerstehe dem Impuls, ihr das Teil aus der Hand zu reißen und davon zu reiten. Lass uns frei sein Mona. Wir hauen jetzt ab und wenn ich weit genug weg bin, nehme ich dir den Kram ab und lasse dich laufen. Und ich verschwinde auch, keine Ahnung, wohin der Weg führt, aber das wird das Spannende daran sein.

"Sie dürfen Mona ruhig loben."
"Wie geht das?"
"Klopfen Sie ihr auf den Hals."
Sie macht es vor, ich mache es nach.
Mona schnaubt.
"Was heißt das?"
"Zufriedenheit."

"Möchten Sie mal 'schneller' ausprobieren?"
Ich nicke.
Sie klopft mit der Gerte nach Mona und erwischt mein Bein. Zieht ein bisschen.
Schließlich läuft Mona etwas schneller. Angenehm. Es kitzelt ein wenig im Magen, der Körper schwingt besser mit, Pferd und Reiter scheinen ein Stück weit mehr eins zu werden.

Nun geht es über eine Wiese. Mona versucht, nach den frischen Pflanzen zu schnappen.
Die Therapeutin ruft von hinten, das sei für die Pferde, als würden sie über einen vollen Pizzateller laufen. Mona tritt versehentlich in Loch. Dann biegen wir um die Ecke. Mona erschrickt über ein Handtuch, das über dem Zaun hängt und legt abrupt den Rückwärtsgang ein. Seltsamerweise fühle ich keine Angst. Ich beobachte einfach nur, was passiert. Die Therapeutin kommt herbei gerannt und hilft Mona zu bändigen. "Alles ok?" Ja ja. Gucken Sie lieber nach Mona. "Na, du bist mir eine, Mona", schimpft sie.
Pferde seien Fluchttiere und können sich nicht verteidigen, und alles Neue wie dieses Handtuch sei erst mal eine potenzielle Gefahr, erklärt sie mir. "Schon okay, ich bin auch ein Fluchttier." Gelächter. Na ja, manchmal. Ich habe zwei Gesichter.

"Soll ich ihnen zeigen, wie man absteigt? Rechtes Bein herüber schwingen und dann runter rutschen lassen." Klopf klopf, auf den Hals. Mona schnaubt. Und dann steht sie im Stall und stampft mit den Beinen, bis die Futterschüssel kommt. Der Apfel wird zuerst verspeist.

"Ja, wie war es?"
Gut.
"Sympathie für Mona", notiert sie bei mir.
"Bis nächste Woche... Ach nein, wir sind ja jetzt zwei Wochen im Urlaub. Die meisten von Ihnen habe ich heute das letzte Mal gesehen, alles Gute."

Na dann.

Asthmator

Tagesklinik. Die Krankenschwester trägt einen großen Standventilator herein, schält ihn ein und lässt sich seufzend davor nieder.
"Machen Sie das Ding aus", mault eine Mitpatientin, "ich werd´ davon immer gleich krank".
Die Schwester rückt ihren Stuhl so hin, das sie im Luftstrom zwischen Ventilator und der maulenden Patientin sitzt.
"Ja, so ist es besser."
"Ist es wirklich so schlimm bei Ihnen?"
"Ja, ich erkälte mich dann immer gleich. Außerdem ist es nicht gut für mein Asthma."
Die Krankenschwester deutet auf die rote Zigarettendose der Patientin.
"Und das ist gut für ihr Asthma?"
"Äh... Ich rauch ja nicht, ich paff ja nur. Das ist ja dann nicht ungesund."
"Ja ja, ganz gesund... Steht in der Ernährungspyramide sicher zwischen Tomate und Paprika", erwidert die Schwester.

Stille.

Mittwoch, 24. August 2016

Übergänge

"Du gehst heute?"
Die Mitpatienten gucken mich entsetzt an. Habe die Reisetasche in der Hand und die vollgestopfte Handtasche in der anderen.
"Ja, ich werde heute entlassen, aber ich komme morgen in die Tagesklinik."
"So schnell schon?"
"Ja, es sollte nahtlos sein."

Schweigen.

"Tut mir leid, dass ich mich immer so abgeschottet habe."
"Das macht doch nichts, wir verstehen das", sagt jemand. "Du gehörst doch zu uns", sagt eine andere Stimme neben mir.
"Es war schön euch kennen gelernt zu haben", sage ich.
Als wir uns drücken, schießen mir die Tränen in die Augen. Sind teilweise so liebe Leute hier.

Und dann steh ich draußen, der Wind bauscht mir meine in den letzten Wochen ziemlich strohig gewordenen Haare ins Gesicht. Die Sonne ist viel zu hell für meine dunkle Welt, aber angenehm warm auf der Haut. In den letzten zweieinhalb Monaten hab´ ich einfach mal so 12 kg verloren (aber keine Sorge, ist noch genug Speck da) und ich bin gefühlt um 30 Jahre gealtert. Man macht sich bei chronischen Krankheiten halt so seine Gedanken- wie oft denn noch? Aber denken soll man das ja nicht und im Hier und Jetzt leben. Nur wenn das Hier und Jetzt sich gerade ziemlich beschissen anfühlt, ist das auch kacke.

Vollgepumpt mit Medis torkle ich die Treppe zum Parkplatz herunter, nicht ohne eine letzte Zigarette auf dem Bänkchen zu rauchen, von der mir schlecht wird.

Tschüss, "beschützende Käseglocke"- das Leben hat mich wieder. Na ja, fast.

Schenkelklopfer

Als ich gerade den Gang mit meiner Tasse "Schlaf- und Nerventee" herunter gehe (Schwester F. schwört darauf, auch wenn er bitter ist und nach Gras schmeckt), kommt mir P. wieder entgegen. Nackt, den dünnen Körper in ein riesiges Duschtuch gehüllt, auf dem Weg zur Gemeinschaftsdusche.
Kann er sich nicht in der Dusche an- und ausziehen wie jeder andere hier auch?
Bin etwas gereizt über den Anblick alter blasser Haut und die freie Aussicht auf die Brust. Nichts gegen das Alter, aber...
"Beate", sagt er zu mir (ah, er hat meinen richtigen Namen schon wieder vergessen), "ich kenne einen tollen Witz über Depressionen."
Mein Blick fällt auf seine nicht gerade gepflegten Füße in den Badelatschen und ich ekle mich. Werde erst morgen wieder duschen, wenn die Reinigungskraft da war.
"Ja?", frage ich gequält.
"Treffen sich zwei, sagt der eine: Ich hab´ eine Depression und krieg sie nicht los, sagt der andere: Versuch´s doch mal bei Ebay."

Wir haben offensichtlich nicht den gleichen Humor.

Wir sitzen alle im selben Boot

Nach ca. einer Woche darf ich auf die "Offene". Nach dem Frühstück reißt der Pfleger die Tür auf und ruft: "Sie kommen runter. In zehn Minuten, wenn Sie wollen. Packen Sie ihre Sachen."
Ächz. Immer langsam, ich vertrage gerade überhaupt keinen Stress.
Ist aber ein gutes Gefühl, als die Tür aufgeht und mein Bett rausgeschoben wird.
Ich bekomme meine Nagelfeile und meine Schere zurück. Zu Beginn wird einem alles abgenommen, womit man "Unsinn" machen könnte.
Der Arzt schüttelt mir freundlich die Hand. "War eh nicht die richtige Station für Sie."
Na dann.

Die Station darunter sieht wesentlich heller und schöner aus. Es gibt auch wieder offen herum liegende Kabel, Bilder an den Wänden und gefüllte Putzmittelflaschen in der Küche. Auf dem Gang steht ein kleiner Tisch mit einer Duftlampe und einem knienden Buddha. Und statt wortkargen, resoluten Pflegern gibt es nun (meist) freundliche Krankenschwestern, die jederzeit ein offenes Ohr für ein Gespräch haben wollen. Wenn sie nicht selbst gerade im Stress sind, was der Job so mit sich bringt.

Mein erster Gang in die Freiheit: Erst mal eine rauchen.
Der Fahrstuhl ist voll. Er fährt erst ins Untergeschoss.
"Da wollte ich aber nicht hin", mault der dünne, zittrige Mann mit den kurzen grauen Haaren und der Brille mir gegenüber.
"Ne, da gibt´s eh nur Bettwäsche", erwidere ich.
"Da unten ist die Leichenhalle", korrigiert er mich. Ich mag es nicht, wenn man mich korrigiert.
"Aber da will ich noch nicht hin", sagt er. Und das der Tod schneller käme, als man denkt.
"Lassen Sie mich raten, Sie sind auch wegen Depressionen hier", sage ich.
Er schüttelt den Kopf.

Ich setze mich in den Raucherpavillon, er setzt sich mir gegenüber. "Kannst ruhig 'du' zu mir sagen, ich bin der P." Oh nein, er möchte sich unterhalten. Lass mich doch bitte in Ruhe eine rauchen.
P. möchte wissen, warum ich da bin, er guckt traurig. "Wirf das Leben nicht weg, es geht immer weiter." Ja ja, ich weiß.
Und er erzählt. Er sei der Leiter einer Apotheke. Er plappert viel über Medikamente und deren Wirkungen und will wissen, was ich nehme. "Und warum sind Sie -bist du- da, P.?"
"Ich hab´ zu tief ins Glas geschaut. Das war meine Art der Stressbewältigung."
Er zittert und zündet eine zweite Zigarette an.
"Und dann hast du einen Entzug gemacht?"
Muss mich etwas zwingen, Interesse zu zeigen, aber ich bemühe mich, meine Isolation zumindest zeitweise zu verlassen.
Er nickt.
"War bestimmt hart."
Er nickt wieder. Das wolle er nie mehr durchmachen müssen. Es sei aber schon das zweite Mal.
Sicher, dass du nicht auch Depressionen hast, P.?, denke ich. Ich verkneife mir aber, etwas zu sagen. Der Herr Apotheker wird später noch mehrmals betonen, dass er keine Depressionen habe und keine Medis brauche. Es sei nur der Stress.

"Wir sitzen halt alle im selben Boot", sage ich stattdessen.
"Das tun wir. Alle hier." Er macht eine ausladende Geste Richtung Krankenhaus.

Ich drücke die Zigarette aus und gehe spazieren.

Und was hast du?

Leider gibt es hier nur einen Gemeinschaftsraum, in dem man rauchen kann. Raus darf ich noch nicht. Ich sitze in der hintersten Ecke mit der Zigarette im Mund und kritzle Skizzen auf meinen Block. Sprecht mich nur nicht an, soll meine Haltung ausstrahlen. Ich will einfach nur meine Ruhe.

Am Nebentisch sitzt eine junge Frau und unterhält sich mit einem Mann. Er hat eine Psychose und wirkt irgendwie gedämpft und schwerfällig. "Und was hast du?", fragt er die junge Frau. Sie hat kurze braune Haare und wirkt sehr smart, aber in sich gekehrt. Ist mir sympathisch. "Ich hab´ versucht mir mit der Flex die Pulsadern aufzuschneiden. Das hat gesaftet. Überall war Blut." Sie zeigt den dicken Verband an ihrem Arm. Brauche ein paar Sekunden, um das Gehörte zu verdauen.

"Und was hat die?", fragt er weiter. Er zeigt mit dem Kopf auf mich.
"Weiß ich nicht", sagt sie.
"Was hast du?", fragt er mich. Ich zucke zusammen. "Psychose?"
"Depression", murre ich.
"Auch schlimm", sagt er. "Du bist noch so jung."

Ich packe meine Sachen und gehe. Genug menschliche Interaktion für heute.

Ich bin deine Mutter!

Krankenhaus, Akutpsychiatrie. Als ich vom Mittagessen in mein Zimmer zurück kehre, liegt eine fremde Frau auf meinem Bett. Sie trägt eine weiße Unterhose und ein korallenfarbenes Shirt.
"Sie haben sich im Zimmer geirrt", sage ich. "Das ist mein Bett."

"Nein!", sagt die Frau. "Dieses Bett ist mir gerade zugeteilt worden!" Ihre Stimme klingt etwas trotzig. Ich mache mich seufzend auf die Suche nach einem Pfleger. Alle weg. Wahrscheinlich in der Übergabe. Als ich zurück kehre, ist sie verschwunden.

Zwei Tage später. Die Zimmertür geht auf, sie kommt herein. Wieder ohne Hose. "Falsches Zimmer!" rufe ich ihr genervt entgegen. Sie schließt die Tür hinter sich, guckt mich herausfordernd an. Eigentlich sieht sie ja ganz normal aus. Wie eine Büroangestellte. Ein modischer Kurzhaarschnitt, dunkelrot gefärbt, eine hübsche Kette um den Hals. Wäre da nicht dieser wirre Blick. Bestimmt hat sie eine Psychose und rafft es gerade nicht mehr.

"Würden Sie bitte gehen?"- Sie schaut mich wieder so trotzig an. "Ich bin deine Mutter!", faucht sie. Was mir einfalle. Ach so. "Na dann Mama, raus aus meinem Zimmer!, spiele ich das Spiel mit. "Warte Kind", ruft sie. "Ich hol dir ein Französischbuch." Sie verschwindet und kommt nicht zurück. Ich atme auf.

Kurz darauf sehe ich sie auf dem Gang stehen. Immer noch ohne Hose. Dafür trägt sie nun meinen Sommerschal um den Hals. Der mit dem Ethno-Muster, den ich in B. gekauft habe. Sie erklärt dem Pfleger, dass sie spazieren gehen wolle. "Ziehen Sie sich endlich eine Hose an!", mault der Pfleger. Nach einer kurzen Diskussion zwischen Frau und Pfleger habe ich meinen Schal wieder. Ich stopfe ihn verstört zu meiner Schmutzwäsche in die Reisetasche.

Etwas später sehe ich sie auf ihrem Bett liegen, als ich den Gang hinauf gehe. Die Zimmertür steht auf. Sie schnarcht lauthals, nicht zugedeckt und immer noch ohne Hose. Bestimmt hat man sie ruhig gestellt.

Irgendwie tut sie mir ja leid.

Dienstag, 12. Juli 2016

highline179

"Schatz, was möchtest du an deinem Geburtstag machen?"

Bitte sag nicht grillen. Bitte sag nicht grillen.
Die Vorstellung, bei meiner momentanen Belastbarkeit einen a) ganzen Tag b) mit einem Gästepulk um mich herum zu überstehen behagt mir gar nicht. Außer er möchte das unbedingt, dann muss ich gucken, wie ich das gebacken kriege.
So richtig feiern tun wir wegen mir ja schon lange nicht mehr. Fühl mich irgendwie schuldig.

"Äh, öh... Ich überleg mir was."

Zwei Wochen später: Er hat im Internet eine Hängebrücke in Österreich entdeckt, die er gerne begehen würde. Hört sich weit weg an, aber wir wohnen im Süden Deutschlands und über die Grenze ist es fast nur ein Katzensprung.

Die Anfahrt hab´ ich komplett verpennt. Weiß nicht, ob´s an mir lag oder den Medis, die müde machen, aber irgendwann knuffte er mich in die Seite und rief: "Schatz, wir sind da, guck mal."

Oi...


Da hoch?



Wirklich?


Leider wollte mein angeschlagener Körper mal wieder nicht so recht. Buckelaufwärts und das bei der Hitze. Unterwegs werde ich ständig überholt, einschließlich von Familien mit kleinen Kindern und von Senioren mit Walkingstöcken, wie demütigend. Ja sorry, kann da auch nix für. Aber da, endlich, das Ende des Weges naht.

Und so sieht es von oben aus. Das Teil wackelt dazu noch im Wind wie ein Kuhschwanz. Nachdem meine Nerven den ersten Schock überwunden haben find ich´s aber auch toll. Trau mich sogar zu hüpfen und es zusätzlich zum Wackeln zu bringen. "Nicht hüpfen!"- Entschuldigung. Irgendwie dürstet mir heut nach Adrenalin. Bin immer noch im resignativen "mir ist fast alles egal und ich fühl nix mehr"-Modus und und hab' nur versucht, mich wieder zu spüren. 

I beliiieve I can flyyy...  
Die Burg musste das Geburtstagskind danach leider alleine angucken (war einfach zu müde), aber ich danke dem "Universum" mal etwas Ablenkung gehabt zu haben von den ganzen anderen Mist, der mich gerade verfolgt. Ihr versteht? Ich hab´ den Post dazu wieder vom Netz genommen, aber ich danke euch sehr für eure Worte dazu.

Habt ´ne schöne Woche. Alltagsmist hin oder her...

Sonntag, 10. Juli 2016

Ich wär' jetzt gern 'ne Schwalbe

Das doofe Gedankenkarussel will nicht anhalten. Irgendwie raucht mir der Schädel. Erste Hilfe. Wie war das noch gleich. Aufmerksamkeit. Achtsamkeit. Ich guck in den Himmel. Fühl nix. Na los, streng dich an. Irgendwo um dich herum muss doch etwas Schönes zu entdecken sein. Na ja, dieses Blau ist gerade eigentlich ganz angenehm. Sehr licht, nicht zu hell. Die Sonne ist schon fast weg.

Was ist noch positiv... Na ja, es ist Sommer. Sommer ist schön. Sagt man zumindest. Ich mag das grelle Licht nicht und die Hitze find ich scheiße. Wenn alles klebt und man nachts nichts mehr schlafen kann und dieses ständige Kopfweh. Aber die Natur, die Natur überschlägt sich dann und gibt alles.

Da ziehen Vögel, was das wohl für welche sind. Sind so schwarz-weiße dabei, die ganz malerisch dahingleiten. Vielleicht Schwalben.

Während ich so dasitze und den (vermutlichen) Schwalben zusehe, erwacht der Wunsch, aufzustehen, den maroden Körper abzustreifen und selbst aufzusteigen. Welche Erleichterung. Mitfliegen, mit den Schwalben. Weg mit dem alten Leben, nicht zurück blicken, auf in neue Gefilde, neue Abenteuer. Ganz bei sich sein. Frei sein.

Wunsch ans Universum: Im nächsten Leben wäre ich gerne eine Schwalbe. Oder jetzt gleich. Herzlichen Dank.

Obwohl.. Wie ist das mit Raubvögeln, mit Katzen, mit Umweltgiften.. Und Vögel haben auch ihre Reviere. Nein, jetzt nicht schwächeln. Nicht zerpflücken. Das Leben als Vogel muss schön sein, Punkt. Irgendwas auf diesem kack Planeten muss doch auch mal wirklich schön sein (und nicht nur so aussehen). Da ist wieder eine. Schön, diese Kurve, dieser Schwung. Als ob etwas in die Luft gemalt werden würde, und nur wer dem Malvorgang beiwohnt, kann das Werk "sehen".
Es ist so still. Eigentlich ganz wunderbar.

"Ha ha haaa", tönt es nebenan. Irgendwas klirrt. Wieder lachen.
Die Nachbarn feiern. Irgendwie haben die ein komisches Händchen für Gäste. Sind selbst immer total nett und hilfsbereit, aber laden immer die seltsamsten Deppen ein. Wieder ein lautes Lachen. Beschissene Musik wird aufgedreht, dröhnender Lärm zerreißt die Stille. Ihr geht mir auf den Sack.

Bestellung ans Universum: Im nächsten Leben will ich ´ne Schwalbe sein. Oder jetzt gleich.

Und dann kack ich denen ordentlich auf´n Kopp. Aber sowas von.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Glückwunsch, Irland!

Ich trinke gedanklich ein O'Hara's auf euch!

Och ne.. Sommer

Das erste Mal Sommer nach wochenlangen Regenfällen.
Bin mit der besten Freundin drei Stunden draußen gesessen. Im Halbschatten, nicht mal in der vollen Sonne. Ergebnis: Juckender roter Hautauschlag auf den freiliegenden Armpartien (auch Polymorphe Lichtdermatose genannt) und Migräne.
Pff.

Einrichtungsideen die Erste

Na, das nenn' ich mal 'nen Kronleuchter. Cool. Wenn schon, denn schon.
Leider nicht käuflich zu erwerben- hängt an der Decke einer Geisterbahn, in die ich aufgrund meiner Schreckhaftigkeit nur mittels Schuldgefühlen hinein zu manövrieren war (wollte ja meinen Begleiter nicht alles alleine besuchen lassen).


Ob ich mal beim schwedischen Möbelriesen nach der "Sköllet-Serie" fragen sollte..??

Montag, 20. Juni 2016

Spontanentschluss

Lustige bunte Pilze


Ein Einhorn


(wenn auch zugegebenermaßen ein ziemlich schusseliges... Steckt da einfach im Baum fest)

Tanzende Elfen

dumdidum...

Ich habe beschlossen- hier bleibe ich. Vielleicht probiere ich mal noch diese ominösen Pilze aus oder leihe mir die Glitzerflügelchen und hüpfe damit halb nackisch durch den Märchenwald.

Ach jo.

Und an alle Ämter und Behörden,

die mir aufgrund des Bestrebens, Kosten zu sparen, in letzter Zeit das Leben schwer gemacht haben (krank sein ist nicht lustig, schämt euch, diesen harten, steinigen Weg noch schwerer zu machen statt dem Anspruchsberechtigen endlich zu helfen!! Ich hoffe, ihr werdet für eure Verzögerungstaktiken und sonstigen Versuche, die Betroffenen hinzuhalten und/oder anderweitig zum Aufgeben zu bewegen, mindestens in der Hölle schmorren)-

bitte senden Sie Ihre zukünftige Post an:

Ablage_P@Adressenichtvorhanden.de

Herzlichen Dank!

Donnerstag, 16. Juni 2016

Morgenstund

Ich möchte das auch mal gerne erleben. Morgens frisch aus dem Bett aufstehen und mit der entsprechenden Energie in den Tag starten. Nicht dieses... dieses...

"Dieses Gefühl, das man lieber tot umfallen möchte?", hilft die beste Freundin aus.

Danke. Hach, sie versteht mich.

Mittwoch, 15. Juni 2016

Virtuelle Schokolade

"Das Spiel heißt 'iss die ganze Schokolade'"

"Was spielst du denn da?"

"Candy Crush Soda"

"Iss die ganze Schokolade? Lass mich das spielen, das ist was für mich!"

"Nein, das spiel´ ich selber!"

Boah. Nicht mal die virtuelle Schokolade gönnt er mir. Alter Futterneider!

Freitag, 10. Juni 2016

Before the dawn?

"... it´s always darkest before the dawn", trällert die Frontfrau von Florence + the Machine aus dem Radio.

Wie immer hoffe ich, dass sie Recht hat.

Mittwoch, 8. Juni 2016

Fleisch- Fauxpas

Nach einer mehrmonatigen vegetarischen, fast veganen Phase, in der mir gedanklich immer wieder Bilder von geschundenen Tieren durch den Kopf gegangen waren, packte mich eines Tages fast aus dem Nichts eine monumentale "Fleischeslust". Ich stürmte in den nächsten Laden, kaufte ein Päckchen Berner Würste (ihr wisst schon, die, die zusätzlich mit Bacon umwickelt sind), warf es in die Pfanne und futterte das Päckchen fast alleine auf. Der Freund konnte sich gerade noch eines stibitzen, ehe ich ihm dafür geifernd den Arm abreißen konnte.

Auf der kirchlichen Hochzeit meiner Schwester gab es ein Buffet mit allerlei Fleischlichkeiten, an denen ich mich jauchzend bediente. Braten, Roastbeef, Lachs, Schnitzel, alles musste auf den Teller, die Beilagen wurden großzügig ignoriert, die hätten nur Platz weggenommen. Ich rechnete damit, dass jeden Moment eine Horde PETA-Anhänger in den Saal stürmen würde, um mich zu überwältigen und um dann vor meinen Augen meinen Mitgliedsausweis zu zerschneiden. Ich neige ein wenig zu Extremen, na ja, was soll´s, wenigstens wird es nicht langweilig mit mir.

Ich registrierte allerdings noch, dass meine Nebensitzerin etwas erstarrt wirkte und mir tonlos einen "guten Appetit" wünschte. Erst im Nachhinein erfuhr ich von meiner Schwester, dass sie mich extra neben die vegetarische Tierschützerin gesetzt hatte in der Annahme, das wir uns sicher gut verstehen würden und dass sie ihr das auch so angekündigt hatte mit den Worten: "Meine Schwester wird dir sicher gefallen, sie ist auch Vegetarierin..."

Muss vor dem Hintergrund sicher gut ausgesehen haben, wie ich da gierig über meinen Fleischteller hergefallen bin.

Na ja. Wenigstens mal wieder Verwirrung gestiftet. Ist doch auch was.

Dass ich das nochmal erleben darf

"Kann ich bitte noch Ihren Ausweis sehen?", fragt die Kassiererin.

Mir fällt vor Überraschung fast die Brille auf die Scannerplatte. War sich die Dame da gerade allen Ernstes nicht sicher, ob ich volljährig bin?
Wooooooooooow.
Dass ich das nochmal erleben darf... Woher kommt´s? Hat das aschfahle Neonlicht meine Fältchen und die einzelnen weißen Haare weggeleuchtet?

Da stelle ich mich doch gleich mal neben die Wursttheke, für den Fall, dass mich ein Mitarbeiter mit einem Kind verwechselt und mir ein Rädchen Wurst schenken möchte.

Habe das Gefühl, heute ist alles möglich.

Mittwoch, 11. Mai 2016

Mal wieder verpeilt

Im Bad ausgerutscht, an einem komischen Geräusch erschrocken, Kaffee umgerührt und den Teelöffel versehentlich in den Müll statt in die Spüle geworfen.

Der Tag fängt schon mal gut an.

Sonntag, 8. Mai 2016

Eine Runde Hüpfen für alle

Nein, wir haben gerade keinen Harlem Shake getanzt.

Eher war es der Versuch, eine riesige aufdringliche Wespe elegant zum Fenster hinaus zu geleiten, ohne das dumme Vieh dabei um die Ecke zum bringen (immer dieses schlechte Gewissen, verdammt aber auch. Wie leicht hätte man dem penetranten Gesummse mit dem zusammengerollten Wochenblatt ein Ende bereiten können) und ohne dass dabei weder die jagdlustigen Katzen noch die panische Meinereine einen Stich abbekommen.

Es wird Sommer, ich vergaß.

Samstag, 7. Mai 2016

Es blüht schwarz

"Sag mal, hast du da etwa schwarze Tulpen gepflanzt?"

"Ja?"

"SCHWARZE Tulpen?"

"Ja?"

Bekomme ein verdattertes Kopfschütteln zur Antwort.

Was denn?


Die sind doch voll schick! Oder nicht?

Mittwoch, 4. Mai 2016

Freiheitshungrig

Die beste Freundin meldet sich über WhatsApp, sie hätte schon lange nichts mehr von mir gehört. Ob ich Lust hätte, morgen noch mit ihr einen Kaffee trinken zu gehen? Ich berichte kurz, dass es mir gesundheitlich gerade ziemlich besch...eiden geht. Wir vereinbaren einen "Kurztermin", damit es nicht so anstrengend wird.

Fühl mich wie ´ne Siebzigjährige. Hab´ mir das auch mal anders vorgestellt.

"Bei mir tut sich gerade nicht viel", überlegt sie. "Ich habe das Gefühl, es steht gerade alles still."

Wir schweigen. Sie erzählt mir von einem Film, der sie kürzlich so beeindruckt hat ("Into the Wild")
und wie gerne sie es dem Hauptdarsteller gleich tun würde: Allen Besitz verschleudern und dann einfach aus all dem abhauen und um die Welt reisen.

Ich nicke, diese Unterhaltung führen wir schon seit Jahren bzw. den gleichen Traum habe ich auch.
Es scheitert immer am Geld (na ja, und auch noch an zwei, drei anderen, nicht gerade unerheblichen Gründen, hust), auch wenn es offenbar Mittel und Wege gibt, sich ohne Kapital durch das große Abenteuer zu schlagen. Selbstfindung für Fortgeschrittene. Für die, die das mit der Selbstfindung in Runde 1 noch nicht geschafft haben, weil andere Dinge dazwischen kamen. Erleichterung für die Freiheitshungrigen.
Woran liegt es, dass wir es nicht endlich einfach tun und stattdessen hier rumsitzen und trübsinnig in die Kaffeetassen starren?
Es muss etwas Anderes geben, das stärker ist als dieser Wunsch, das einen zurück hält.

"Sicherheit", sagt sie. Ich nicke.
Ein geregeltes Einkommen, ein warmes Dach über dem Kopf, Essen, gesundheitliche Versorgung.
Das wirft man nicht einfach so von heute auf morgen über Board.
Und doch...

Sie erzählt mir, der Protagonist im Film würde schließlich an einer giftigen Beere sterben.
Na ja, das ist doch eigentlich auch ok? Leben, sich finden, und dann an so was Unvorhergesehenen abnippeln, ohne lange gelitten zu haben- eigentlich gar nicht soo doof, oder?

"Ich sterb bestimmt auch mal an so einem Müll", überlege ich. "Irgendwas, womit ich nicht gerechnet habe. So kurz vor dem Heimkommen." Stell dir vor, du hast die Welt bereist, hast so viel erlebt, dass du damit eine ganze Bücherreihe füllen könntest, hast den Himalaya durchwandert, einen reißenden Fluss durchschwommen, bist im Dschungel einem bengalischen Tiger und einer Horde hungriger Kannibalen entkommen, hast hunderte von Kilometern zurück gelegt und unzählige interessante Menschen kennen gelernt... Und erstickst dann kurz vor dem Heimatbahnhof im Zug an einer Kirsche.

Die Freundin lacht. "Das ist dann wohl Ironie."

Ja.